Abnehmen? Ganz einfach, aber nicht immer: Fettleber-Insulinresistenz

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 21. Oktober 2016
  • Letzte Änderung: 14. Oktober 2017
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Wir alle kennen diesen Übergewichtigen, der schwört dass er fast nichts isst und trotzdem nicht abnehmen kann. Oder sind selbst so einer. Und keiner glaubt es einem, dass man mit „fast nichts“ essen so übergewichtig sein kann. Und jeder weiß, wie grausam und unmenschlich dieses Gefühl ist, wenn man etwas mit Sicherheit sagen kann, weiß dass es wahr ist, dann aber von anderen als Lügner bezeichnet wird. Diese, die hetzen und lästern oder andere als Lügner beschimpfen, wissen es aber einfach nicht besser. Und hinterfragen es nicht. So ist es fast immer, Hetzer, Lästerer, Anprangerern fehlt es meistens an WISSEN. Und viele Menschen sind leider so: Was man nicht weiß, wird einfach erstmal als falsch dargestellt. Oder als nicht existent. Zum Glück haben wir heutzutage dieses Wissen. Und können die ganze Sache aufklären.

Sie haben es in der Überschrift schon gelesen: Fettleber. Was hat die Leber damit zu tun? Eine ganze Menge. Die Leber ist unser zentrales Stoffwechsel Organ. Hier finden alle Stoffwechsel (=metabolischen) -Prozesse statt. Metabolisch. Haben Sie vielleicht schon mal gehört im Zusammenhang mit dem „Metabolischen Syndrom“. Was ist das? Eine Kombination aus Krankheiten die häufig zusammen auftreten: Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Harnsäure, Fettstoffwechselstörung (Cholesterin, LDL/HDL), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und vieles mehr. Auch Folgeerkrankungen: Schlafapnoesyndrom, Asthma/COPD, Arthrose, Gicht, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depression usw.. Hört sich so an, als ob fast alle unsere „Zivilisationserkrankungen“ damit einhergehen. Was ist die Ursache, der gemeinsamen Nenner vom metabolischen Syndrom? Heutzutage wissen wir es: die Insulinresistenz. Was passiert, wenn wir Zucker essen und ihn nicht gleich durch Bewegung verbrennen oder er nicht in die Muskeln geht? Er wird in der Leber in Fett umgewandelt (=de novo Lipogenese). Und weil der Körper sehr pragmatisch ist, wird das Fett gleich dort an Ort und Stelle gespeichert (in die Muskeln geht der Zucker nur, wenn wir uns bewegen –siehe vorherigen NEWS-Beitrag.) Die Leber verfettet. Was wenn wir immer viele Kohlenhydrate essen? Kohlenhydrate führen zu Insulinanstieg. Insulin hilft, dass der Zucker in die Zelle kommt. Ständig Insulinanstieg? Genau, die Zellen werden darauf resistent. Nennt man Insulinresistenz. Insulin wirkt nicht mehr. Der Zucker kann nicht in die Muskelzelle gelangen. Wo geht er erst recht hin? Genau, in die Leber. Was passiert dort damit? Lipogenese, Zucker wird in Fett umgewandelt. Erneut, der Zucker, der in der Leber in Fett umgewandelt wird, wird direkt dort gespeichert. Die Leber verfettet. Fettleber. Medizinisch: Die „nicht-alkoholische Fettleber“, kurz NAFL. Der Teufelskreis hat sich geschlossen. Und kreist immer weiter: Fettleber, Insulinresistenz, noch höherer Insulinspiegel (macht Abnehmen unmöglich). Führt früher oder später zum Diabetes mellitus. Noch höherer Insulinspiegel, höherer Blutzucker, mehr Zucker für die Leber, mehr Leberfett. Und da sind sie. Unsere Übergewichtigen. Mit einem Insulinspiegel im Blut der 10-fach oder mehr im Vergleich zu Gesunden erhöht ist (kann man im Labor messen). Der hohe Insulinspiegel hält den Blutzucker häufig noch in Schach. Man muss noch keinen Diabetes haben. Hausarzt misst – Blutzucker noch normal. Auf Kosten von viel Insulin. Nach Jahren, oder auch früher, ist durch das hohe Insulin der Diabetes vorprogrammiert. Um nochmal zu unserem Missverständnis oben zu kommen: Ein so hoher Insulinspiegel heißt, nur geringe Mengen Kohlenhydrate in der Nahrung, 10mal so viel Insulin wie normal. Insulin macht dick. Und bei einem so hohen Insulinspiegel reichen schon ein paar Kalorien am Tag um weiter zuzunehmen. Zum Teil nur 800kcal am Tag. Und da haben wir´s. Übergewichtige Menschen essen nur 800kcal am Tag und nehmen davon nicht ab. Vielleicht sogar noch weiter zu. Im Labor nachgewiesen, gemessen, belegt. Missverständnis aufgeklärt. Die Übergewichtigen sagen die Wahrheit. Den Ungläubigen fehlt das obige Wissen. Leider auch vielen Ärzten und Ernährungsberatern. Zur Entlastung meiner tüchtigen Kolleginnen und Kollegen: die Kassenmedizin in Deutschland lässt so ein Wissen und die Anwendung desselben zeitlich gar nicht zu. Ist nicht gewollt. Um die Erhaltung seiner Gesundheit muss man sich schon selbst kümmern. Die Medizin und die tüchtigen, gut ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen helfen in akuten Notfällen. Oder in schweren Fällen wenn man medikamentös arbeiten muss oder operativ. Also, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wenn das Leben akut bedroht ist. Da ist die Medizin unschlagbar. Da rettet sie Ihr Leben. Dafür braucht man die 12 Jahre Ausbildung. Dafür brauchen wir unsere überarbeiteten von Behörden mit Bürokratie überlasteten Ärzte, die vor lauter Regeln und Gesetzen und Papieren kaum noch Zeit für Sie haben. Dafür arbeiten wir in den Kliniken 24 Stunden, auch am Wochenende.  Aber wollen Sie es erst so weit kommen lassen, nur damit Sie dann die Verantwortung an den Arzt abgeben können? Besser die Fettleber vorher schon selbst loswerden. Das ist (aktuell) nicht die Aufgabe ihres (Haus-)Arztes. Also bitte nicht wundern, wenn Ihr Hausarzt Ihre Fettleber nur mit einem Schulterzucken kommentiert und sagt: Da müssen Sie eben abnehmen.

So und was machen wir nun dagegen? Richtig. Die Leber wieder entfetten. Wie? Das Gegenteil von die Leber verfetten. Wie verfettet die Leber? Haben wir schon gehört. Ist den Menschen seit langem bekannt: Gänsestopfleber (foie Gras, franz. für fette Leber). Wie wird diese hergestellt? Man füttert die Tiere mit purem Mais (Kohlenhydrate=Zucker). Nur 4 Wochen lang. Dann hat man die Fettleber. Nach nur 4 Wochen Kohlenhydratmast. Erschreckend, wie schnell das geht. Zum Glück ist es aber auch schnell rückgängig zu machen. Geht in kurzer Zeit. 2 Wochen Fasten. 2 Wochen komplett kohlenhydratfrei. Der Insulinspiegel sinkt. Man kann endlich wieder abnehmen. Natürlich nur, wenn man dann auch weiterhin auf Kohlenhydrate achtet, sich viel bewegt und vor allem dran denkt: Eiweiß essen. Eiweiß hilft übrigens auch eine kranke Leber zu heilen (steht seit Jahren in unserem Ernährungsratgeber).

Die ganze Sache mit der Fettleber ist erst in den letzten Jahren bekannt geworden und näher untersucht worden. Viel dazu beigetragen hat Dr. Nicolai Worm. Dazu gibt´s ein Buch von Ihm: „Menschenstopfleber“. Sehr spannend. Sollte man durchaus mal lesen. Passt auch zu Weihnachten. Ach ja, und lassen Sie sich Ihre Weihnachtsgans nicht schlechtreden. Fett aus der Nahrung wird nur zu einem geringeren Teil in der Leber gespeichert. Viel höher ist der Anteil des Leberfettes aus der Lipogenese, also das Fett, das aus Kohlenhydraten gebildet wird. Also guten Appetit zur Weihnachtsgans. Und lieber die Klöße dazu weglassen.

https://books.google.de/books/about/Menschenstopfleber_die_verharmloste_Volk.html?id=CPYTkgEACAAJ&source=kp_cover&redir_esc=y
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

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