Halbwissen über Eiweiß

Wer uns kennt, weiß, dass wir immer viel Eiweiß empfehlen. Der wichtigste (Makro-)Nährstoff. Ohne Kohlenhydrate kann man leben. Ohne Eiweiß nicht. 2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Aus vielen Gründen. Es gibt viele Studien, die die positiven Wirkungen belegen.

Eiweiß tut uns gut.

Wir brauchen Eiweiß zum Überleben. Dazu eine Mindestmenge. Zum besser Leben häufig auch mehr. Wir wollen ja schließlich mehr als nur ausreichend Leben. Am liebsten sehr gut.

In den Tagesmedien werden, wie so häufig, viele falsche Informationen geliefert. Diese sind aber nicht Stand der Wissenschaft. Hier eine Auflistung der Falschinformationen. Häufig kommen diese Falschinformationen von „gefährlichem Halbwissen“.

Eiweiß ist NICHT nephrotoxisch (nierenschädigend). Wir bestehen hauptsächlich aus Eiweiß. Unsere Gene, die DNS, kodieren Eiweißmoleküle. Wie kann etwas woraus wir bestehen und das Einzige, was unsere Gene herstellen, nämlich Eiweiß, schädlich sein? Bei schwerst Niereninsuffizienten werden viele Substanzen nicht mehr vollständig über die Nieren ausgeschieden. Darunter auch Harnstoff, das Abbauprodukt vom Eiweiß. Verstanden? Das Abbauprodukt vom Eiweiß wird nicht vollständig ausgeschieden, wie viele andere harnpflichtige Substanzen auch. Daraus darf man aber nicht auf eine nephrotoxische Wirkung von Eiweiß schließen (gefährliches Halbwissen).

Eiweiß erhöht nicht die Harnsäure. Harnsäure ist ein Abbauprodukt von Purinbasen. Purinbasen sind keine Proteine (gefährliches Halbwissen).

Eiweiß führt nicht zur Übersäuerung. Aminosäuren heißen deshalb –säuren, weil sie alleinstehend ein Wasserstoffatom (H+) übrig haben (gefährliches Halbwissen). Bei der Verkettung von Aminosäuren zu Eiweißmolekülen werden diese H+ Ionen abgespalten. Eiweiße sind somit keine Säuren. Im Gegenteil: Eiweiß hat einen ph von 7,8, ist also basisch. Und Eiweißmoleküle sind Bestandteile unseres Puffersystems. Puffern also Säuren ab!

Es gibt von vielen Fachgesellschaften MINDEST-Aufnahmeempfehlungen für den täglichen Eiweißbedarf. Aber von keiner gibt es eine Obergrenze (Obergrenze für Eiweiß? Noch nicht mal Halbwissen, sondern frei erfunden).

Es gibt KEINE Obergrenze für die tägliche Eiweißaufnahme (einzige Ausnahme: Dialysepatienten).

Es gibt keine negativen Auswirkungen von Eiweiß auf die Gesundheit. Dafür aber viele positive Auswirkungen.

Die einzigen negativen Auswirkungen, die in einigen Studien beschrieben werden, sind rein retrospektiv und zeigen negativen Auswirkung nur durch tierisches Eiweiß, nicht jedoch durch pflanzliches Eiweiß. Es kann also nicht das Eiweiß an sich sein, denn Aminosäuren sind kleine chemisch definierte Moleküle. Und diese sehen genau gleich aus, egal ob sie jetzt vom Schwein oder von der Sojabohne kommen. Woran es liegt, weiß man offiziell noch nicht. Aber es liegt nahe, dass die Massentierhaltung die Qualität des Fleisches heutzutage extrem ins Negative verkehrt und daher negative Auswirkungen von anderen Inhaltsstoffen im Fleisch ausgehen (mehr Transfette, mehr Omega 6, weniger Omega 3, Hormone, etc). Aber nochmal zu unserer Grundaussage: Fleisch ist Fleisch und Eiweiß ist Eiweiß. Da gibt es zwar große Überschneidungen, ist aber nicht das Gleiche (gefährliches Halbwissen führt auch hier wieder zu falschen Schlussfolgerungen). Und nochmal, weil es mir besonders wichtig ist und sogar von Ärzten und Ernährungsberatern immer wieder falsch verstanden wird: Eiweiß und Fleisch ist NICHT das gleiche, nur weil Fleisch viel Eiweiß enthält. Alleine dadurch wurde dem Eiweiß fälschlicherweise schon oft unrecht getan.

Einzelne Autoren empfehlen zwar als Obergrenze auf Dauer 3,5-4 g/kg pro Tag. Ist aber nur eine Empfehlung aus dem Bauch heraus, dafür gibt es keine Studien. Mehr als 4g/kg/Tag schafft man kaum. Das wären bei einem 70kg schweren Menschen 280 Gramm Eiweiß, entspräche 1,4 Kilogramm Fleisch. Mit den 2 Gramm ist man im sicheren Bereich. Die meisten werden schon Schwierigkeiten haben, die 2g/kg zu schaffen.


Clin Nutr. 2013 Apr;32(2):309-13. doi: 10.1016/j.clnu.2012.11.018. Epub 2012 Dec 1.Is there a maximal anabolic response to protein intake with a meal?Deutz NE1, Wolfe RR.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23260197

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J Am Diet Assoc. 2010 Apr;110(4):633-8. doi: 10.1016/j.jada.2009.12.016.Renal function following long-term weight loss in individuals with abdominal obesity on a very-low-carbohydrate diet vs high-carbohydrate diet. Brinkworth GD1, Buckley JD, Noakes M, Clifton PM. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20338292
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

1 Kommentar
  • Sylvia vor 1 Jahr
    Danke für die tolle Aufklärung. Ich diskutiere schon länger mit meinem Nephrologen, weil Dinge einfach als notwendig hingestellt worden sind. Zitrusfrüchte sind verboten und und. Weil sie schaden und von wegen der Säure. Ja ich hatte wegen der Nieren Last mit zuviel Harnsäure, aber ausgerechnet natürlicher Zitronensaft hat eine positive Wirkung auf die Werte (und die dadurch bedingten Gelenkschmerzen sind Geschichte, sicher auch wegen der gezielten Bewegung hier bei pur-life). Beim Thema Eiweiß waren wir uns nicht einig. Hier gibt es wirklich viele Hinweise (leider auch auf ganz seriösen medizinischen Seiten), die sagen, dass weniger Eiweiss die zwingend erforderlich ist. Zweifel kamen so schon auf, gute Informationen gab es (selbst vom Nephrologen ) eher weniger. Letzterer beschränkte sich auf die Aussage: Das ist so. Ein ganz großes Danke für die wirklich guten Infos. Mir haben sie im letzten Jahr sehr geholfen - es geht mir nicht nur deutlich besser, sondern auch Medikamente konnten reduziert und ganz abgesetzt werden. Einzige Vorrausetzung, ist, dass man sich selbst mit seinem Körper auseinandersetzt und ihm das gibt, was er wirklich braucht.

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