Fasten

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 20. Februar 2018
  • Letzte Änderung: 26. Februar 2019
  • 8 Kommentare
  • 4 min Lesezeit

Passend zur Fastenzeit nochmal ein paar Gedanken zum Fasten. Warum kann Fasten gut für den Stoffwechsel sein? Wann kann Fasten schlecht sein und den Stoffwechsel herunterregulieren?

Zur 1. Frage: Fasten kann helfen, die Leber zu entfetten und die Insulinresistenz zu reduzieren. Zum Beispiel das uns schon bekannte Leberfasten.

Was passiert beim Leberfasten, also beim vollständigen Verzicht auf Kohlenhydrate?

Was passiert im Stoffwechsel?

Der Normalzustand des Stoffwechsels mit Kohlenhydraten in der Nahrung:

  • Kohlenhydrate werden im Darm in einzelne Zuckermoleküle aufgespalten

  • Die Zuckermoleküle gelangen ins Blut und erhöhen den Blutzuckerspiegel

  • Der erhöhte Blutzuckerspiegel führt zu einer Insulin-Ausschüttung

  • Insulin führt zu Fettproduktion und Einlagerung von Fett in die Leber und ins restliche Fettgewebe. Folge: Leberverfettung, Gewichtszunahme

Der Stoffwechsel ohne Kohlenhydrate:

  • Kein Anstieg des Blutzuckerspiegels

  • Der Blutzucker wird verbraucht und sinkt ab

  • Niedriger Blutzucker führt zur Ausschüttung des Insulin-Gegenspielers, dem Glucagon

  • Glucagon führt zur Fettverbrennung, damit zur Leberentfettung und zum Abnehmen

Hört sich simpel an, man könnte ja einfach komplett Fasten. Dann entsteht viel Glucagon und viel Fettreduktion, in der Leber und an all den anderen Stellen.

Zur 2. Frage: Komplettes Fasten führt aber auch dazu, dass der Grundumsatz sinkt. Der Körper stellt sich auf Hungersnot ein und reduziert den Grundumsatz. Verbraucht also weniger. Hätte man zum Beispiel vorher einen Grundumsatz von 2000 kcal am Tag, könnte er nach 2 Wochen Fasten schon bei 1300 kcal pro Tag liegen. Isst man dann wieder 2000 kcal, hat man täglich 700 kcal zu viel zu sich genommen. Man nimmt unweigerlich zu, meist sogar mehr als vor dem Fasten (nennt man auch JoJo-Effekt). Dann hätte das Fasten nicht viel gebracht. Dieser Hungersnot-Stoffwechsel brachte dem Menschen in der Steinzeit die Möglichkeit auch in langen Wintern ohne Nahrungsangebot zu überleben. Aber das gibt es nicht umsonst. Der Körper stellt einige Funktionen ein, die akut nicht lebensnotwendig sind, z. B. der Muskelaufbau. Viele Muskeln sind zwar gut, aber im Notfall, wenn es ums Überleben geht, verzichtet der Körper lieber darauf. Das gleiche gilt für den Knochenaufbau. Und für die Regeneration von anderen Geweben, wie Haut, Haare, Organe, Nerven, Hirn, Immunsystem. All diese Gewebe werden vorübergehend nicht erneuert, altern also schneller, um möglichst Energie zu sparen zum Überleben. Ist in der existentiellen Not auch sinnvoll. Heißt aber auch, dass häufiges und langanhaltendes Hungern den Körper extrem schwächen und schneller altern lässt. Menschen, die auch heutzutage noch hungern mussten, z. B. aus Kriegsgebieten, sind häufig stark vorgealtert. Unsere Großväter, die im 2. Weltkrieg hungern mussten, sahen deutlich älter aus, als gleichaltrige gesunde Menschen heute. Und wurden auch nicht so alt. Zusammengefasst ist Hungern nicht besonders empfehlenswert. Trotzdem haben wir ja schon beschrieben, dass die Entfettung der Leber sehr vorteilhaft sein kann und man dazu ein spezielles Fasten durchführen kann. Damit die Regeneration der Organe weiterhin stattfinden kann, braucht unser Körper aber auch während des Fastens die essenziellen Nährstoffe. Nämlich Aminosäuren (Eiweiß), Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, essentielle Fettsäuren, Omega 3, Coenzym Q10, Carnitin und all die anderen lebensnotwendigen Stoffe. Heißt, man kann durchaus mal 2 Wochen Fasten. Dann aber mit 3 x täglich Eiweißshakes + die essenziellen Mikronährstoffe. Damit beim Fasten also nur die positiven Wirkungen zum Tragen kommen, also das sogenannte Leberfasten. Die Leber entfetten, die Insulinresistenz verringern. Das könnte man dann als das moderne Fasten bezeichnen. Biochemisch korrektes Fasten. So geht Fasten im 21. Jahrhundert.

Wer also Fasten möchte und sich damit was Gutes tun will, kann modernes Fasten betreiben:

  • Fasten heißt verzichten, aber nur auf die schlechten Dinge: Kohlenhydrate (= alles Mehl – Brot-Teigwaren-Kuchen-Nudeln-Kartoffeln-Obst, Zucker, Fruktose, Säfte, etc.), Alkohol, Süssigkeiten, etc.

  • Die mindestmenge an Eiweiß pro Tag aufrechterhalten, z. B. 3 Eiweißshakes pro Tag

  • Alle Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Carnitin, Coenzym Q10, Omega 3

Alles kein Muss, aber Fasten kann durchaus seine positiven Eigenschaften für den Stoffwechsel haben. Wer möchte kann das durchaus mal tun. Aber wenn schon Fasten, dann richtig. Dem Stoffwechsel angepasst. Wir kennen heutzutage die Biochemie unseres Körpers und können danach handeln.

P.s.: Wie immer, bei bestimmten Erkrankungen vorher mit dem eigenen Arzt absprechen. Durch den Kohlenhydrat-Verzicht sinkt der Blutzucker. Diabetiker müssen daher ggf. schon vorher ihre Diabetes-Medikation reduzieren, sonst droht Gefahr der Unterzuckerung.

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

8 Kommentare
  • Tanja Markert vor 1 Jahr
    Hallo ... hab grad den Beitrag nochmal gelesen, da ich grad Leberfasten machen... er ist sehr gut geschrieben...Puh bin grad am Ende des 2.Tages und fühle mich so richtig platt, ich denke nach dem 3. Tag wird es hoffentlich besser...ich werde jetzt mal eine Runde Mentaltraining machen ...
  • Corina vor 1 Jahr
    Der Artikel ist super! Ich habe jetzt gerade mit Intervallfasten begonnen, damit komme ich ganz gut klar.
  • Andrea vor 1 Jahr
    Danke für den interessanten Artikel! Was hältst Du denn eigentlich von Intervallfasten? Wäre das eine Alternative für Leute (wie mich), die das Leberfasten nicht hinbekommen?
  • H. vor 1 Jahr
    Schön, hier zum Thema Fasten Differenziertes zu lesen. Ich faste in der Regel 2 mal im Jahr nach Buchungen 1 - 3 Wochen zuhause. Das bei mir diagnostische Metabolische Syndrom ist dadurch vollkommen behoben (normaler Blutdruck, Langzeitzuckerwerte und Leberfette etc.). Diabetes liegt leider in unserer Familie - aber danach sein Leben ausrichten, ist nicht jedermanns Sache. So habe ich mich über Weihnachten wieder in die MBSyndrom manövriert. Aber was hilft? Ich weiss ja, warum wieso und wie ich wieder rauskomme! Der Kommentar der Internistin und der Diabetologin: Wenn alles in der Weise diszipliniert ihren beginnenden Diabetes, der Fettleber und Bluthochdruck begegneten, wären 3/4 weniger MBS-Patienten im Wartezimmer. Leider ist meine Ketogenediät, die ich wegen weiterer Erkrankungen gerne mache, nicht gesellig und gesellschaftsfähig und sicher auf Dauer auch nicht ausgewogen - gerade die schwäbischen Essensgewohnheiten meines Mannes sind hier sehr hinderlich😉: ohne "Mehlspeis" geht hier nichts! Also muss mehr Bewegung ins Leben und eine moderatere Essensgewohnheit (mehr Eiweiss und wenig isolierte KHs) sowie interpretierendes Fasten das Überangebot von Essen zum Einsatz kommen. - Hat jemand den neuen Spiegel-Artikel zum Thema Fasten gelesen? Ansonsten: weitermachen! Womit? Das ist selbstredend.
  • Sabine Mania vor 1 Jahr
    Na der Beitrag kommt ja jetzt wie gerufen🙂......nachdem Manuel mir vor paar Tagen bzgl.meiner Anfrage zum Thema "Fasten" ordentlich den Kopf gewaschen bzw.ins Gewissen geredet hat (DANKE Manuel, es hat gefruchtet😉 ), habe ich am Sonntag mit 2 Entlastungstagen begonnen u.habe heute den 2.Fastentag. Ich wollte nämlich eine Fastenwoche an der Ostsee buchen, aber Manuel hat mich überzeugt, dazu nicht unbedingt wegfahren zu müssen (Kopfsache). Und Dank der Info von Linda nehme ich alle NEM's weiterhin und auch den EW-Shake (allerdings nur einen, jetzt weiß ich's besser). Ich drehe auch jeden Tag (soweit die Zeit es erlaubt) ne große Runde an der frischen Luft, mach aber auch fast täglich den 19 Uhr-Kurs mit und bin auf dem Trampolin. Und ich muss sagen, mir geht es bis jetzt super (keine Kopfschmerzen, Schwindel, Schlappheit....na, was man so liest). Jetzt, nach diesem fantastischen Beitrag, kommt bei mir noch die Frage auf: Trinke ich die Shakes ZUSÄTZLICH zu der Gemüsebrühe am Abend und des Obst-Gemüsesaftes am Mittag? Und bleibt der Part mit der Darmreinigung am Anfang? (Flohsamenschalen in Wasser, Pflaumensaft, Fastentee und dem anschließenden Einlauf) Es wäre schön, wenn mir da noch jemand von euch was zu schreiben könnte. Auch ich wäre sehr froh, wenn wenigstens eine der angebotenen Wochen im aRosa stattfinden würden. Habe den Tages-/Wochenplan gesehen und muss sagen, ihr gebt euch sooooo viel Mühe, der ist mega genial. Ihr Lieben Trainierenden, kommt mit!!! @ Carina, die essentiellen Mikronährstoffe sind die NEM's (Nahrungsergänzungsmittel). Die Liste für die 47 wichtigsten findest du in Manuels neuestem Buch, auch mit Einnahmeempfehlung🙂
  • Suse Rapp vor 1 Jahr
    War gerade auf Norderney zum Fastenwandern. Fasten nach Buchinger, jeden Tag Frühgymnastik und danach 10 km wandern. Damit soll genau der Effekt des Muskelabbaus verhindert werden. Fühle mich super! Neustart um schlechte Ernährungsangewohnheiten los zuwerden.
  • Carina vor 1 Jahr
    Hallo, was genau enthält essentielle Mikronährstoffe?
  • Reinhild vor 1 Jahr
    Vielen Dank für den schönen Beitrag.Wir wollen es mal mit Manuel ausprobieren und hoffen,dass es 20 Interessenten gibt,damit die Fastenwoche stattfinden kann.

https://pur-life.net/api

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