(HEIL-)FASTEN

(HEIL-)FASTEN

Passend zur Jahreszeit ein paar Gedanken über das Fasten. Fasten ist seit Jahrhunderten in der Medizin ein bekanntes Behandlungsverfahren. Häufig konnten hierbei Verbesserungen der Gesundheit erzielt werden. Auch viele Ärzte bieten regelmäßig sogenannte Heilfasten-Kuren an. Neuerdings wurde das Fasten auch von windigen Geschäftemachern neu entdeckt und wird dann als teure, sogenannte „Stoffwechselkur“ verkauft. Verschiedene Arten von Fasten haben eine religiöse und/oder gesundheitliche Basis. Den Formen des Fastens ist jedoch gemeinsam, dass es immer nur für eine begrenzte Zeit stattfindet. Fasten ist niemals zu einer Gewichtsabnahme gedacht. Das funktioniert häufig auch gar nicht. Und niemals langfristig. Es geht um eine Verbesserung der Gesundheit. Wir haben darüber schon im Zusammenhang mit dem Leberfasten berichtet. Ein zeitlich begrenztes Fasten macht durchaus häufig medizinisch Sinn. Fasten hat positive Wirkungen, die die Gesundheit verbessern. Es konnte auch in einigen aktuellen Studien (siehe unter Quellen unten) nachgewiesen werden, warum und wie das Ganze funktioniert. Die Hauptwirkung beim Fasten ist aber nach neuerer Auffassung durch den Verzicht auf Kohlenhydrate zu erklären (siehe Leberfasten). Damit das Fasten keine negativen Auswirkungen hat, sollte man vor allem auf kalorienreiche und kohlenhydratlastige Nahrungsmittel verzichten. Wir sollten nicht Mikro-Nährstoff fasten. Die Mikronährstoffe, also unsere essentiellen Nahrungsmittel die wir zum Leben brauchen wegzulassen, macht wenig Sinn (die haben auch keine Kalorien). Damit wir während des Fastens nicht (Mikronährstoff-)Verhungern, sollten wir diese auch während der Fastenzeit zuführen. Also eben nicht auf alles verzichten: sprich Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und die essentiellen Aminosäuren. Das sind die Dinge die unseren Körper am Laufen halten. Die wegzulassen macht also wenig Sinn. Das optimale Heilfasten wäre also wie folgt: 1-2 Wochen nur Vitamine, Mineralien, Spurenelemente (als NEM=Nahrungsergänzungsmittel) und reichlich Eiweiß, am bestens als low-carb Eiweißshake (ca. 3 am Tag). Dazu ganz, ganz wichtig: viel trinken. Man brauch beim Fasten unbedingt vermehrt Flüssigkeitsaufnahme (und das Salz nicht vergessen). So kommt man während des Fastens nicht in einen Mangelzustand und macht sich damit mehr kaputt, als dass man gewinnt. Nicht selten (wir kennen das von der Atkins-Diät) kommt es beim Verzicht auf Kohlenhydrate nach 2-3 Tagen zu Kopfschmerzen (der sogenannten Atkins Grippe). Für viele ist das nicht so angenehm. Dann kann man auch durchaus das Fasten in einer abgeschwächten Form machen, eben sehr wenig Kohlenhydrate, oder die Dosis langsam reduzieren. Einfach mal ausprobieren, ob es einem bekommt. Experimentiert. Probiert aus. Es ist euer Körper. Macht euch euren eigenen Plan. Nur durch ausprobieren könnt ihr das optimale Konzept für euch selbst herausfinden. Es ist auch nicht kompliziert. Fasten heisst verzichten. Vorrangig auf Kohlenhydrate. Dafür braucht man keinen komplizierten Plan. Keine Anleitung. Nur ein bisschen Grundlagenwissen. Und das bekommt ihr von uns. Einfach machen. Grundsätzlich ist ein Heilfasten (ähnlich wie auch schon das Leberfasten) durchaus für die Gesundheit und das Wohlbefinden förderlich.

Fasten ist durchaus gesundheitlich in vielen Fällen sinnvoll, aber nicht zum Abnehmen. Höchstens als Einstieg in eine gesündere Lebensweise. Also nach dem Fasten auf gesunde, vernünftige, ausgewogene Ernährung achten. Was das ist, wissen Sie ja bereits (oder sonst bitte nochmal die Artikel zu gesunder Ernährung, Wasser, NEM und Eiweiß nachlesen).

In der Studie „Fasting-mimicking diet and markers/risk factors for aging, diabetes, cancer, and cardiovascular disease“ (siehe unter Quellen) wurde das sogenannte FMD=fasting mimicking diet untersucht. Hierbei wurde von Teilnehmern für jeweils 5 Tage in 3 aufeinanderfolgenden Monaten gefastet. Dies zeigte durchweg positive gesundheitliche Effekte. Also auch das sogenannte intermittierende Fasten, lieber häufiger aber eben kürzer, funktioniert auch. Das Fasten führt zu einer Verminderung von Risikofaktoren (Cholesterin, Triglyceride, Glucose) von Herz-Kreislauferkrankungen und zur verminderten Entzündungswerten. Daher ist Heilfasten auch gerade bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma sehr wirksam. Die verbesserte Insulinsensitivität und die Verminderung der Entzündungen im Körper sind sicherlich ein Hauptgrund, warum das Fasten so viele positive Wirkungen auf die Gesundheit hat.

Selbst Grundlagenstudien zu dem Thema an Hefezellen und Mäusen konnten eine lebensverlängernde Wirkung des Fastens nachweisen und das Altern signifikant reduzieren.

Insgesamt ist ein kurzes oder intermittierendes Heilfasten durchaus sinnvoll und empfehlenswert. Aber bitte an die Vitamine, Eiweiß und Wasser (viel, viel mehr als sonst) denken. Darauf sollte man nicht verzichten. Während des Fastens ist Ruhe und Entspannung wichtig. Während der 1 oder 2 Wochen oder auch nur ein paar Tage Fasten kann man ruhig auf Sport verzichten oder eben nur ruhige Entspannungskurse wählen (z.B. Body and Mind). Viele Menschen bemerken, dass man während des Fasten ungeahnte Energie bekommt. Man will sich plötzlich bewegen. Das ist ein tolles Gefühl. Aber bitte nicht gleich die neue Energie für einen Halbmarathon verbrauchen. Sehr anstrengender Sport ist während des Fastens nicht sinnvoll.

PS: Bitte selbständig Fasten nur für gesunde Personen. Bei Vorhandensein von Erkrankungen, insbesondere Diabetes, Nieren- und Herzerkrankungen nur unter ärztlicher Aufsicht (es gibt viele Ärzte mit Erfahrungen auf diesem Gebiet, aber nicht alle kennen und können das).

 

 

Cell. 2017 Feb 23;168(5):775-788.e12. doi: 10.1016/j.cell.2017.01.040.Fasting-Mimicking Diet Promotes Ngn3-Driven β-Cell Regeneration to Reverse Diabetes.Cheng CW1, Villani V2, Buono R3, Wei M4, Kumar S5, Yilmaz OH6, Cohen P4, Sneddon JB7, Perin L2, Longo VD8.

http://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674%2817%2930130-7

http://www.nature.com/nm/journal/v21/n3/full/nm.3804.html

http://stm.sciencemag.org/content/9/377/eaai8700

Forsch Komplementmed. 2013;20(6):444-53. doi: 10.1159/000357765. Epub 2013 Dec 16.Fasting therapy for treating and preventing disease - current state of evidence.Michalsen A1, Li C.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63206/Intermittierendes-Fasten-haelt-jung-und-gesund

http://www.cell.com/cell-metabolism/abstract/S1550-4131(15)00224-7

 

 

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

11 Kommentare
  • Katrin vor 2 Jahren
    Ich habe Anfang des Jahres erstmals vom Intervallfasten gehört und praktiziere seit März die 16:8-Methode. Das heißt, ich esse einmal mittags und einmal abends, zwischendurch gar nichts. Die Vorstellung, länger zu fasten, hat mich immer ziemlich gegruselt, aber diese Form fügt sich ganz gut in den Alltag ein, und man hat nicht so sehr das Gefühl von permanentem Verzicht. Mir geht es richtig gut seitdem, keine Gelenkschmerzen mehr, deutlich zunehmende Beweglichkeit auch in den Gelenken, die schon erste Anzeichen von Arthrose aufwiesen, als Begleiterscheinung natürlich auch eine sehr willkommene Gewichtsabnahme. Eigentlich möchte ich das Intervallfasten dauerhaft weiterbetreiben. Der Heißhunger auf Süßes und Fettes vergeht bald, und es ist wirklich genau wie bei anderen Süchten auch: Wenn man gar nicht erst wieder damit anfängt, fehlt einem auch nichts. Mal sehen, ob ich durchhalte.
  • H. vor 2 Jahren
    Ich faste 2 Mal im Jahr und kann meine Werte damit verbessern - das diagnostizierte Metabolische Syndrom ist bereits nach einer Woche Heil-Fasten nicht mehr nachweisbar.
  • Matthias vor 2 Jahren
    Danke für den tollen Bericht, oftmals ist es doch so das man gerade die essentiellen Nährstoffe nicht essen tut, der Artikel hat mir das wieder ins Bewusstsein geholt. Ich werde nun auf die Mirkonährstoffe und nicht nur auf die reine Befriedigung meines Verlangens nach kcal achten.
  • Matthias vor 2 Jahren
    ich find den ersten Post von Annette H. sehr treffend, die Lebensmittelindustrie produziert nur noch Frass für ein Volk das das nach billigen hippen Frass schreit. "Es ist interessant zu wissen wie unser Körper wirklich tickt - nicht so wie die vielen falschen Informationen von Medien die oftmals nur den Konsumverbrauch von völlig unnötigen Produkten anpreisen möchten..."
  • Sandra vor 2 Jahren
    Nachdem ich mich über das intermittierende Fasten schlau gemacht habe, habe ich erst 5:2 ausprobiert. Schlussendlich bin ich aber bei 16:8 hängen geblieben, das tut mir gut und geht fast von alleine. Ich esse nur zwischen 10 und 18 Uhr. Nach einem ersten Bluttest sind etliche Werte deutlich besser als vor dem Fasten - ich werde wohl dabei bleiben.
  • Sandra Teufel vor 2 Jahren
    Hallo, ich habe vor kurzer Zeit für 4 Wochen das intermitierende Fasten gemacht. Die 16 zu 8 Variante war für mich perfekt und im Alltag gut zu meistern. Ich hatte keine Kopfschmerzen und relativ schnell habe ich gemerkt das ich mehr Energie habe, mich besser fühle und diese Phase gut tut. Nach diesen 4 Wochen habe ich dann wieder mit meiner normalen Ernährung weiter gemacht. Abends verzichte ich seit 4 Jahren komplett auf Kohlenhydrate. Sport war aber bei mir immer dabei. Ich trainiere ca. 5 mal die Woche auf dem Bellicon und bin großer Fan von Lindas Stunden.🙂 Bin noch nicht lange dabei, aber eure Seite ist wirklich super! DANKE und viele Grüße Sandra
  • Gabriele S. vor 2 Jahren
    Bitte unbedingt ansehen !!! Visite- NDR Mediathek vom 14.3 ein Beitrag über fasten!!!
  • Heike P. vor 2 Jahren
    Super interessant!Ich hatte auch mega Kopfschmerzen beim Heilfasten , sodass ich es nach 7 Tagen abgebrochen habe!! Aber das mit dem weniger Kohlenhydraten habe ich beibehalten und im Moment funktioniert es ganz gut!! Mittlerweile purzeln auch die Pfunde langsam aber stetig !! Nach dem Fasten war mein Stoffwechsel glaube ich total durcheinander ! Hatte da auch mit Volker geschriebn ! Aber jetzt wird es besser!!! Gruß Heike
  • Gabriele S. vor 2 Jahren
    Sehr guter Beitrag! Ich bin gerade am Tag 8 meines Leberfasten und es geht mir super! Mache auch Sport höre aber ganz genau auf meinen Körper! Am 4 Tag war ein kleiner durchhänger aber es geht mir erstaunlicher besser wie erwartet! Eine Woche halte ich noch durch?Aber trinken trinken nochmals trinken?
  • Anja Mohr vor 2 Jahren
    Ich habe immer Kopfschmerzen, wenn ich versuche zu fasten, da kann ich soviel Wasser mit Mineralien trinken wie ein Pferd. ? Was aber gut funktioniert sind lange Pausen zwischen den Mahlzeiten. Morgens gut frühstücken und denn erst wieder nach 12 Stunden Abendessen. Tagsüber natürlich viel Wasser. Ich hoffe, das wirkt auch ein bisschen positiv auf meinen Körper. Ich fühle mich zumindest wohl dabei.
  • Annette H. vor 2 Jahren
    Wie immer --- ein richtig toller und sehr informativer und für alle verständlicher Bericht von Volker. Vielen herzlichen Dank dafür Volker! Es ist interessant zu wissen wie unser Körper wirklich tickt - nicht so wie die vielen falschen Informationen von Medien die oftmals nur den Konsumverbrauch von völlig unnötigen Produkten anpreisen möchten und nicht wirklich auf unsere Gesundheit bedacht sind ...

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