Internistenkongress 2017: Pro und Kontra Nahrungsergänzungsmittel

Da gab es auf dem diesjährigen Internistenkongress DGIM 2017 eine Pro und Kontra Sitzung über Nahrungsergänzungsmittel. Sehr interessant. Für das Pro, also für Nahrungsergänzungsmittel stand Herr Prof. Dr. med. Biesalski. Ein Mediziner, Arzt. Für das Kontra stand Herr Prof. Dr. rer. nat. Stehle. Ein Oecotrophologe.

Unten ist der Link zu einem Bericht über die Sitzung. Was mich daran stört: Prof. Stehle, der gegen Nahrungsergänzungsmittel ist, ist Oecotrophologe. Arbeitet im Labor. Forschung. Kein Arzt. Hat noch nie selbständig Patienten behandelt, noch nie kranke Personen mit unklaren Beschwerden vor sich gesehen und weiß nicht, wie oft man in der Praxis im Labor tatsächlich Mängel feststellt. Und nach Ausgleich eine deutliche Besserung der Beschwerden sieht. Er meint eine ausgewogene Ernährung würde reichen. Mag sein. Aber was ist eine ausgewogene Ernährung eigentlich? Und wer ernährt sich JEDEN TAG genauso ausgewogen mit den verschiedensten Nahrungsmitteln, die keiner genau kennt? Denn es gibt nirgendwo eine genaue Bestimmung und eine klare Definition des Begriffes „ausgewogene Ernährung“. Das ist und bleibt erstmal sehr schwammig. Ernähren wir uns ausgewogen? Wir wissen es nicht. Es gibt darüber keine genaue Definition. Was ist ausgewogen? Jeden Tag 1 Apfel, 200g Broccoli, 200g Kaltwasserfisch, 150g Fleisch, 2 frische Zitronen, 200g Vollkorn, 50g Kräuter?? Man weiß es nicht wirklich. „Ausgewogen“ ist nicht definiert. Steht in keinem Buch. Und sind alle „ausgewogenen Nahrungsmittel“ gleich ausgewogen, also mit den gleichen Vitaminen beladen? Der Apfel frisch vom Baum oder der Apfel nach 3 Jahren Kühllager? Haben beide das gleiche an Inhaltsstoffen? Ist „Ausgewogen“ für den Sportler der doppelt so viel an Mikronährstoffen verbraucht das gleiche „Ausgewogen“ wie das des Seniors, der sich wenig bewegt, abgemagert oder krank ist?  Sie verstehen was ich meine. „Ausgewogen“ ist ein so schwammiger Begriff, so unklar, uneindeutig. Damit kann man in der Wirklichkeit wenig anfangen.

Dann sagt der liebe Oecotrophologe auch noch Nahrungsergänzungsmittel könnten ja auch gefährlich sein. Bringt als einziges Beispiel, wie alle NEM-Gegner, die Caret Studie von 1997 an. Bei dieser Studie kam es unter Megadosierung von Beta-Carotin zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko, nur bei starken Rauchern. Leider kennt der liebe Professor nicht die Folgestudie, haben wir schon mal zitiert(https://pur-life.net/beratung/medizinratgeber/allgemein-medizin/wenn-statistik-truegt) , bei der gezeigt wurde, dass wenn zu dem Beta-Carotin ausreichend Vitamin D vorhanden war, das Lungenkrebsrisiko sogar signifikant reduziert war. Also leider nur viel Halbwissen. Die meisten Vitamine alleine bringen nichts, eben nur in Kombination. Und KEINER bestreitet, dass es nichts bringe, einen Mangel an Nährstoffen gezielt mit Nahrungsergänzungsmittel auszugleichen.

Das zweite, warum mir der Professor mit seiner Anti-Nahrungsergänzungsmittel Haltung so suspekt vorkommt, ist, dass er nebenbei für Nestle arbeitet. Ein Nahrungsmittelhersteller. Gleichzeitig war er auch mal DGE Präsident. Was für ein Zufall, dass die DGE immer viele Kohlenhydrate empfiehlt und Nestle viele kohlenhydratlastige Nahrungsmittel herstellt.

 

Quelle:

http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4906013

http://www.nestle.de/verantwortung/unsere-beiraete/experten-und-ngo-beirat/peter-stehle

 

 

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

13 Kommentare
  • Kerstin vor 2 Jahren
    Für den normalen Konsumenten ist es nicht immer gleich ersichtlich, welche Lobbygruppen hinter bestimmten Empfehlungen stecken, von daher ist es schön, dass Volker uns hier ohne entsprechende Hintergedanken aufklärt. Die Konsequenzen, die jeder aus diesen Informationen für sich zieht, sind so individuell, wie die Menschen nun mal sind, und sie können heute andere sein als in einem Jahr. Lieber Volker, vielen Dank für die ständige Bereitstellung der umfangreichen Informationen zum großen Thema Medizin und Ernährung!
  • Monika vor 2 Jahren
    Ich denke es gibt kein richtig oder falsch . Jeder muss das für sich entscheiden. Ich ernähre mich sehr gesund viel Obst und Gemüsedrinks selber gepresst, nehme jeden Tag Selen , 900 mg Magnessium für meine Migräne (die hat sich seid dem stark gebessert) Zink, OPc mir geht es damit gut. Wir lesen soviel über Ernährung die einen sagen mit Eiweiß die anderen sagen es ist schädlich . Richtig ist doch wohl das was jeder für sich spürt und fühlt, ansonsten machen wir uns alle noch verrückt. NEM aus dem Reformhaus entsprechen halt auch nur der Lebensmittelkontrolle und nicht der Apotheken kontrolle da weden die Wirkstoffe ganz anders kontrolliert.
  • Thomas vor 2 Jahren
    Nochmal zum Verständnis: hier soll niemand bekehrt, oder verurteilt werden! Meine Konsequenz zum Thema ist eine persönliche, die aus den Veränderungen meines Hierseins erwachsen ist. NEM aus gesundheitlichen Gründen einzunehmen ist wohl selbstverständlich: wer würde das nicht tun. Ich plädiere im allgegenwärtigen "Glaubenskrieg" zu Ernährungsfragen jedoch um eine kritisch-vernünftige Haltung. Jede/r sollte sich selbst und seine Gewohnheiten genau anschauen und danach entscheiden. Fakt aber bleibt: NEM sind künstlich hergestellte Mittel, die in Konzentration und/oder Zusammenstellung keinem natürlichen Nahrungsmittel entsprechen. Es ist in diesem Zusammenhang ebenfalls bemerkenswert, dass besonders zwei Sparten in Drogerie- und Supermärkten in den vergangenen Jahren stetig wachsen, nämlich Convenience-Food (Fertigprodukte) und Nahrungsergänzungsmittel. Was ich verändert habe, seit ich bei Purlife bin: ich esse wesentlich mehr Gemüse und ich verzichte auf NEM. Und meine Blutwerte aus dem letzten Check-Up vor einem Monat sind im Vergleich zu denen vor einem Jahr deutlich besser.
  • Sylvia vor 2 Jahren
    also ich bin aus medizinischen Gründen schon auf NEM angewiesen. Daher verstehe ich diese konsequente "Dagegen" Haltung nicht. Sicher ist eine ausgewogene Ernährung ein sehr guter Grundpfeiler - aber selbst hier muss man (meiner Meinung nach) immer unterscheiden und die Personen vom Gesamtgesundheitsbild persönlich beurteilen. Ob nun "fertig vorbereitete Lebensmittel" irgendeines Unternehmens hier unbedingt für "Ausgewogenheit" sprechen? Man braucht sich da nur die Liste der "beigefügten NEM" anzusehen. :/ Wie gesagt, ein sehr komplexes Thema, wo jeder (sicher je nach Krankenzustand auch in Verbindung mit dem Arzt seines Vertrauens) entscheiden muss. Meine Nieren haben ein Problem Calcium zu verarbeiten und auch andere Vitalstoffe. Deshalb werden mir vom Nephrologen schon NEM und entsprechende Medikamente auch verordnet. Trotzdem bin auch ich für mich verantwortlich und muss auf eine für mich angepasste, gesunde Ernährung achten. Wie gesagt, ein komplexes Thema, es aber grundsätzlich abzulehnen halte ich für falsch. Einfach "wahllos" NEM zu schlucken ohne seinen wirklichen Bedarf zu kennen empfinde ich ebenfalls als "falsch". Nur wir sind auch alle für uns selber verantwortlich.
  • Martina B. vor 2 Jahren
    Mensch Thomas, mir war gar nicht klar, wie sehr sich unsere Meinungen decken. Vielen Dank, dass Du diese ausführliche Stellungnahme geschrieben hast!
  • dana vor 2 Jahren
    Danke Thomas, deinem Artikel kann ich nur zustimmen....
  • Kerstin Sarholz vor 2 Jahren
    Also ich denke es sollte jeder für sich selber entscheiden ob er NEM nimmt!Ich persönlich glaube auch das unsere Nahrung manchmal nicht ausreicht, wenn wir alles über die Nahrung machen würden wir ja den ganzen Tag nur mit essen beschäftigt sein, wieviele Menschen gibt es die auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren,das müssen sie halt teilweise durch NEM ausgleichen. Ich denke wenn man wirklich gute Präparate zu sich nimmt ist es völlig OK es ist ja nicht alles schlecht was industriell hergestellt wird! Man sollte aber wirklich darauf achten das es gute Präparate sind! Ich mache ab und zu eine Magnesiumkur.Ich finde es gut das es solche Präparate gibt.
  • Thomas vor 2 Jahren
    Es liegt in der komplexen Natur der Sache, dass weder die Befürworter, noch die Gegner von Nahrungsergänzungsmitteln je den finalen Beweis für ihren Standpunkt finden werden. Und objektiv betrachtet sind aus beiden Lagern fragwürdige Argumentationen bekannt. Ich habe, wie wohl die meisten, verschiedene NEM im Selbstversuch getestet und konnte auch teilweise positive Auswirkungen feststellen. Mehr jedoch, als die Frage, was denn nun "ausgewogene" Ernährung sein soll, stelle ich mir angeregt durch purlife heute eher die Frage, wie ich mich "nachhaltig" ernähren kann. Für mich persönlich gibt es vor allem zwei Gründe, aktuell auf NEM zu verzichten. Der erste ist ein ästhetischer, der zweite ein vernünftiger Grund. Zum ersten lebe ich auf der Erde und muss nicht, wie mein Namensvetter Major Tom, in einem Raumschiff durchs All kreisen und mich zwangsläufig von Raumfahrtlebensmitteln ernähren. Pillenformen jeglicher Art - auch wenn sie in Peace und Bio produziert wurden - kann ich beim besten Willen nicht mit "Essen" assoziieren. Zum zweiten gebietet die Vernunft, dass es nicht möglich sein kann, einerseits eine Ernährungsweise zu praktizieren, welche weitgehend auf prozessierte Nahrungsmittel verzichtet, um mir dann andererseits Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen, die nichts anderes sind, als prozessierte Nahrungsmittel, denn in dieser Zusammensetzung kommen sie in natürlich gewachsener Form einfach nicht vor. Ich habe keinen Beweis, doch gilt für mich der Grundsatz, dass das Ganze weit mehr ist, als die Summe seiner Einzelbestandteile. Für mich ist Nahrung also so elementar, dass, soweit es eben möglich ist, auch als Nahrung erkennbar sein sollte, was ich mir in den Mund schiebe. Ist das obendrein noch schadstoffarm produziert, saisonal und von möglichst regionaler Herkunft, sind meine Ansprüche an eine "ausgewogene" Ernährung hinreichend genau erfüllt.
  • Sabrina vor 2 Jahren
    ich nehme seit 5 monaten nährungsergänzungsmittel. und muss sagen das es mir sehr gut tut. mein wohlbefinden ist besser. meine Haut fühlt sich besser an und mein Haarausfall ist nun sehr gering . ich hatte jahre lang probleme mit meinem Haarausfall. aber nun ist es viel viel besser geworden.
  • Ursula H. vor 2 Jahren
    Die einen sind für, die anderen gegen Nahrungsergänzungsmittel. Ich finde, dass sollte jeder selbst entscheiden, ganz einfach auch mal mit dem Bauchgefühl. Ich nehme zur Zeit MSM gegen Arthrosebeschwerden, und zusammen mit dem Schwingen auf dem Trampolin bekommt es mir einfach sehr gut. Ich kann es nur empfehlen. So geht es mit allen Nahrungsergänzungsmitteln, denk ich. Einfach mal ausprobieren und nicht übertreiben. Auf jeden Fall besser, als immer gleich zu Medikamenten greifen.
  • Janette vor 2 Jahren
    Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass ich durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln etliche Beschwerden los werden konnte. Ich bin mir sicher, dass es nicht geschadet hat. Ganz im Gegenteil. Ich bin immer wieder Dankbar für Informationen mit vernünftigen Hintergründen. Danke Volker ich finde Deine Erklärungen sehr gut und höre Dir auch total gerne bei den Seminaren zu!
  • Brigitte K. vor 2 Jahren
    Danke, vorallem für die Hintergründe. Ich finde auch immer wieder interessant, wie die "Experten" selbst aussehen. Wenn ich da z.B. an Herrn Po... denke ;0))
  • Katrin vor 2 Jahren
    Ich hab nach dem ich "we feed the wold" gesehen hab, Nestle so gut es geht aus meinem Leben gestrichen. 100% sicher bin ich nicht, ob ich wirklich diesen Konzern entkommen bin. Es ist jeden Tag aufs neue eine riesen Aufgabe ihm aus den Händen zu entwischen.....

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