Vitamin E

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 13. November 2018
  • Letzte Änderung: 16. November 2018
  • 4 Kommentare
  • 6 min Lesezeit

Vitamin E, vor allem bekannt für seine antioxidativen Effekte, kann aber noch viel mehr. Ein sehr wichtiges und spannendes Vitamin. Bekannt für Vitamin E ist eine antiatherogene, antiinflammatorische, anticarcinogene Wirkung. Also Schutz vor Gefäßverkalkung, Entzündung und Krebs.

Das klassische Vitamin E (α-Tocopherol) wurde schon 1922 entdeckt. Inzwischen kennt man 8 verschiedene Formen des Vitamin E:

              α-, β-, γ-, δ- Tocopherol

                            und

              α-, β-, γ-, δ- Tocotrienol

Häufig findet man in Multivitamintabletten nur das α-Tocopherol. Auch in Studien wird sehr häufig allein das α-Tocopherol untersucht. Dabei hat das Tocotrienol stärkere anti-oxidative und entzündungshemmende Eigenschaften als das Tocopherol. Speziell die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase zur Senkung des Cholesterins und die Entzündungshemmung durch die Downregulation des NF-kB(1) ist besser bei dem Tocotrienol.

Es gibt bisher eine starke Evidenz, dass die natürlichen Formen des Vitamin E (Tocotrienole) eine effektive Strategie der Krebsprävention und als Adjuvantien eine Verbesserung der Krebsprävention, -therapie und -kontrolle leisten können (2).

Dosierung:

Die Dosierung von Vitamin E wird manchmal in Milligramm (mg) und manchmal in International Units (IU) angegeben. Hierbei entspricht 1 mg α-Tocopherol 1,49 IU.

                                          1 mg = 1,49 IU

Der offizielle Tagesbedarf wird je nach Alter und Geschlecht für Erwachsene bei 11 bis 15 mg Vitamin E pro Tag angegeben. Entspricht ca. 16 bis 22 IU. Wie wir unten sehen werden, werden in internationalen Studien teils deutliche höhere Dosierungen verwendet.

Vorkommen:

Besonders hohe Mengen an Vitamin E ist in Pflanzenölen und Nüssen enthalten, weniger auch in Getreide und Gemüse. Eine Auswahl an Lebensmitteln mit besonders hohem Vitamin E Gehalt:

Lebensmittel

Vitamin E Gehalt in mg pro 100g Lebensmittel

Weizenkeimöl

215,4

Sonnenblumenöl

55,8

Olivenöl

12,0

Weizenkleie

2,4

Fenchel

4,1

Spargel

2,0

Mandel

25,0

Haselnuss

25,0

Erdnuss

8,8

( Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 1999)

 

 

Wirkungen des Vitamin E:

Cholesterinsenkung: Eine Studie an 54 Patienten mit diabetischer Nephropathie: unter Gabe von hoch-dosiertem Vitamin E (800 IU/d) über 12 Wochen kam es zu einer signifikanten Senkung des Cholesterinwertes. (Senkung des Gesamt-Cholesterin, Senkung des LDL, Erhöhung des HDL). (3)

Symptomverbesserung bei PCOS (Syndrom der polycystischen Ovarien): eine Gabe von Vitamin E (400 IU/d) und Omega-3 (1000 mg/d) über 12 Wochen konnte zu einer signifikanten Verbesserung verschiedenster Parameter (u.a. Entzündungen, Insulinresistenz) bei PCOS beitragen (4).

Vitamin E in der Schwangerschaft: eine Cochrane Metaanalyse zeigte eine signifikante Reduktion von Plazentaablösungen/Blutungen unter Vitamin E Substitution im Vergleich zu Placebo (RR 0,64, 7 Studien, 14922 Teilnehmer, Quality oft the evidence: ++++ high) (5).

Verringertes Risiko von Lungenentzündung: Vitamin E -Supplementation senkt die Inzidenz von Lungenentzündungen (Pneumonien), in dieser Studie bei männlichen Rauchern zwischen 50 und 69 Jahren bei Gabe von 50 mg Vitamin E über 5 - 8 Jahre um 69 %!!!! (6) Vitamin E gilt allgemein als Immunsystem särkendes und immunmodulierendes Vitamin.

Rheumatoide Arthritis: Vitamin E Supplementation senkt in dieser großen Kohortenstudie das Auftreten von rheumatoider Arthritis (7). Besonders stark ist die Evidenz in dieser Analyse auch von der Risikoreduktion für das Auftreten von Rheuma (RA) durch Zink-Supplementation. In einer anderen Studie wurde Vitamin E 400 mg pro Tag als Behandlungszusatz bei rheumatoider Arthritis eingesetzt. Es zeigte sich eine bessere Kontrolle der Symptome bereits ab dem ersten Monat (8).

Arthrose: Vitamin E hemmt via des Arachidonsäuremetabolismus die Bildung entzündungsfördernder Mediatoren wie Prostaglandin und Leukotrien (ähnlich den bekannten nicht-steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen und Diclofenac, welche als Standardtherapie der Arthrosetherapie gelten). In kontrollierten Doppelblindstudien konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen hoch dosiertem Vitamin E (1600 IE pro Tag) und 150mg Diclofenac bei den Patientengruppen festgestellt werden (9).

Vitamin E kann die Progression von Arthrose verlangsamen (10).

Artheriosklerose und Herzinfarkt: Viele Studien konnten eine signifikante Reduktion von Artherosklerose und Herzinfarkten durch Vitamin E belegen. Darunter konnte die Cambridge Heart Antioxidant Study eine 47-%-ige Reduktion von Herzinfarkten unter der täglichen Gabe von 400 oder 800 IU Vitamin E pro Tag zeigen (11).

Fettleber, Leberentzündung: Diese Studie (12) zeigte eine Verbesserung der Leberwerte bei Patienten mit NAFL (nicht alkoholischer Fettleber) unter der Gabe von δ-Tocotrienol (2 x 300 mg pro Tag).

Sicherheit von Vitamin E: Vitamin E gilt als sehr sicheres Vitamin. Das Food and Nutrition Board (USA 2000) definierte für alle Formen des α-Tocopherol einen UL-Wert (Tolerable Upper Intake Level), der für Erwachsene bei 1000 mg pro Tag liegt. Diese Empfehlung stellt die höchste Nährstoffmenge dar, die bei täglicher Einnahme in der Gesamtbevölkerung kein Gesundheitsrisiko hervorruft. (13)

Zusammenfassung:

Für Vitamin E sind viele positive Effekte beschrieben, u. a. Krebsprävention, Atherosklerosereduktion, Entzündungshemmung und daher gegen Rheumatische Erkankungen und Arthrose wirksam, Antioxidativ, anti-ageing, uvm.

Insbesondere gegen Gelenkschmerzen und -entzündung (Arthrose/Rheuma) scheint eine hochdosierte Vitamin E Substitution sehr erfolgversprechend.

Die Dosierungen von Vitamin E als Supplementation in klinischen Studien sind teils deutlich höher (400 - 800 IU/Tag) als die deutsche Empfehlung zum Tagesbedarf (16 - 22 IU). Bis 1000 mg pro Tag (1490 IU) gelten als sicher.

 

Quellen:

1. Pharmacol Ther. 2016 Jun;162:152-69. doi: 10.1016/j.pharmthera.2015.12.003. Epub 2015 Dec 17.Vitamin E therapy beyond cancer: Tocopherol versus tocotrienol.Peh HY1, Tan WS1, Liao W1, Wong WS2.

2. Adv Nutr. 2017 Nov 15;8(6):850-867. doi: 10.3945/an.117.016329. Print 2017 Nov.Natural Forms of Vitamin E as Effective Agents for Cancer Prevention and Therapy.Jiang Q1.

3. Iran J Kidney Dis. 2018 May;12(3):156-162.Effects of High-dose Vitamin E Supplementation on Markers of Cardiometabolic Risk and Oxidative Stress in Patients with Diabetic Nephropathy: a Randomized Double-blinded Controlled Trial.Aghadavod E, Soleimani A, Hamidi G, Keneshlou F, Heidari A, Asemi Z1.

4. J Affect Disord. 2018 Mar 15;229:41-47. doi: 10.1016/j.jad.2017.12.049. Epub 2017 Dec 28.The effects of omega-3 and vitamin E co-supplementation on parameters of mental health and gene expression related to insulin and inflammation in subjects with polycystic ovary syndrome.Jamilian M1, Shojaei A2, Samimi M3, Afshar Ebrahimi F3, Aghadavod E4, Karamali M5, Taghizadeh M4, Jamilian H6, Alaeinasab S7, Jafarnejad S4, Asemi Z8.

5. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Sep 7;(9):CD004069. doi: 10.1002/14651858.CD004069.pub3.Vitamin E supplementation in pregnancy.Rumbold A1, Ota E, Hori H, Miyazaki C, Crowther CA.

6. Clin Interv Aging. 2016 Oct 3;11:1379-1385. eCollection 2016.Vitamin E administration may decrease the incidence of pneumonia in elderly males.Hemilä H1.

7. Am J Epidemiol. 2003 Feb 15;157(4):345-54.Antioxidant micronutrients and risk of rheumatoid arthritis in a cohort of older women.Cerhan JR1, Saag KG, Merlino LA, Mikuls TR, Criswell LA.

8. Arzneimittelforschung. 2001;51(4):293-8.Antioxidants as adjuvant therapy in rheumatoid disease. A preliminary study.Helmy M1, Shohayeb M, Helmy MH, el-Bassiouni EA.

9. Pietrzik – Handbuch Vitamine

10. Exp Ther Med. 2016 Jul;12(1):18-22. Epub 2016 May 10.Vitamin E slows down the progression of osteoarthritis.Li XI1, Dong Z1, Zhang F1, Dong J1, Zhang Y1.

11. Arch Fam Med. 1999 Nov-Dec;8(6):537-42.The role of vitamin E in the prevention of heart disease.Emmert DH1, Kirchner JT.

12. Turk J Gastroenterol. 2018 Mar;29(2):170-176. doi: 10.5152/tjg.2018.17297.Effects of Delta-tocotrienol Supplementation on Liver Enzymes, Inflammation, Oxidative stress and Hepatic Steatosis in Patients with Nonalcoholic Fatty Liver Disease.Pervez MA1, Khan DA1, Ijaz A1, Khan S2.

13. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK56068/table/summarytables.t7/?report=objectonly

 

 

 

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

4 Kommentare
  • marianne vor 1 Woche
    Hallo Dr.Zitzmann,Ihre Infos sind immer toll.Danke dafür. Eine Frage hab ich aber mal. Ich bin sehr Wetterfühlig, so wie heute z.b. Wetter mauschel und Sonne....gerade tuts für ein paar Minuten weh und dann hört´´s auf....dann könnte ich wieder das Wetter ansagen.Also bei mir sind die Schmerzen im Lendenwirbelbereich und ziehen dann über Hüfte und Po in die Beine. Warum ist das so. Vielleicht haben Sie eine kleine Antwort für mich. Meinen angesgten Kurs hab ich trotzdem absolviert. Schöne Zeit, es Grüßt Marianne
  • Angelika G. vor 4 Wochen
    Vielen Dank, mal was sichereres und Informatives über Vitamin E, im Netz findet man so viele verschiedene Aussagen das man gar nicht weis wie viel man nehmen darf. Nochmals Danke Dr. Volker
  • Reinhild vor 4 Wochen
    Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen und Hinweise zu diesem Multitalent und insbesondere zu Tocotrienol,um welches ich mich ab jetzt kümmern werde.
  • Stephanie L. vor 4 Wochen
    Vielen Dank! Sehr wichtige Hinweise für mich!

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