Vitamin K

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 12. November 2017
  • Letzte Änderung: 13. November 2017
  • 10 Kommentare
  • 6 min Lesezeit

Eines der fettlöslichen Vitamine. Gehört zu den essentiellen Nährstoffen, dass heißt man muss es mit der Nahrung zuführen, da es der Körper nicht selbst herstellen kann.

Man unterscheidet heute 2 wichtige Vertreter des Vitamin K:

Vitamin K1 (Phyllochinon): kommt hauptsächlich in grünem Blattgemüse vor

Vitamin K2 (Menachinon): Vorkommen eher in tierischen Produkten, fermentierte Milchprodukte (z.B. Käse); wird von Darmbakterien aus Phyllochinon hergestellt

Vitamin K ist ein wichtiger Faktor für die Synthese verschiedener Proteine im Stoffwechsel, insbesondere relevant in den Bereichen Gerinnung, Knochenstoffwechsel, Gefäßsystem.

Am bekanntesten in der Medizin ist die Wirkung von Vitamin K auf das Gerinnungssystem. Vitamin K ist in der Leber notwendig, damit die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X hergestellt werden können.

Will man also in der Medizin, wie so häufig, die Blutgerinnung hemmen um Gefäßverschlüsse (Thrombosen/Embolien) zu vermeiden, werden gerne Vitamin-K-Antagonisten wie das bekannte Marcumar® gegeben. Dadurch werden die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X weniger produziert und die Gerinnbarkeit des Blutes damit gesenkt. Daher: wer Marcumar nimmt, will damit das Vitamin K blockieren. Daher sollten Marcumar-Patienten auch nicht einfach so unkontrollierte Mengen an Vitamin K zu sich nehmen. Vitamin K ist der Antagonist (Gegenspieler) vom Marcumar und kann in hoher Dosis die Wirkung vom Marcumar aufheben.

Da Vitamin K die Blutgerinnung aufrecht erhält, kann es bei einem Mangel aber auch zu Blutungen kommen. Bekannt ist ein Vitamin K Mangel bei Neugeborenen, welche dann eine verminderte Blutgerinnung haben. Dies kann zu schweren Blutungen führen: Morbus haemorrhagicus neonatorum (1). Daher wird Neugeborenen Standardmäßig eine Vitamin K Prophylaxe verabreicht, entweder 1mg i.m. direkt nach der Geburt oder 2mg p.o. unmittelbar postnatal und bei U2 und U3 (2).

Neben der Blutgerinnung spielt Vitamin K aber auch eine Rolle im Knochenstoffwechsel (3).

Vitamin K ist unter anderem für die Synthese von Osteocalcin notwendig. Osteocalcin fördert die Knochenmineralisation. Daher wurde in den letzten Jahren das Vitamin K auch für die Prophylaxe und Therapie der Osteoporose vermehrt untersucht.

Studien konnten zeigen, dass eine niedrige Einnahme von Vitamin K ein erhöhtes Knochenbruchrisiko verursacht (4,5).

Daher ist es durchaus sinnvoll, Vitamin K auch zur Osteoporoseprophylaxe und -therapie einzusetzen (obwohl dies noch keinen Einzug in die offiziellen Leitlinien und daher in die Schulmedizin gefunden hat. Aber das Wissen gibt´s ja auch erst seit 20 Jahren. Ein paar Jährchen dauert´s also noch. Sie wissen ja aus den anderen Artikeln inzwischen, wie das in der Medizin so läuft).

Nicht nur für Gerinnung und Knochen, auch für die Gefäßgesundheit ist Vitamin K relevant.

Vitamin K ist neben den Gerinnungsfaktoren und dem Osteocalcin auch für die Synthese des Matrix GLA-Proteins (MGP) zuständig. MGP hemmt die Gefäßverkalkung. Daher schützt Vitamin K wohl vor Gefäßverkalkung (Atherosklerose). (7,8)

Vitamin D und Vitamin K

Beide Vitamine sind für den Knochenaufbau wichtig. Daher werden gerne beide Vitamine in einem Zusammenhang genannt. Auch sind für beide Vitamine positive Effekte für die Gefäßgesundheit nachgewiesen worden. Es gibt auch einige wenige Studien, die die Kombination untersucht haben. Es scheint tatsächlich so, dass beides für sich alleine positive Effekte hat, aber die Kombination noch bessere Effekte. Anscheinend, weil Vitamin D den Vitamin K Metabolismus zusätzlich noch unterstützt (9).

Ist ja auch logisch und wir wissen, dass Vitamine sich auch gegenseitig unterstützten. Fehlt ein Vitamin, wirkt ein anderes oft auch nicht so gut. Daher sagen wir ja auch immer: man braucht ALLE 47 essentiellen Nährstoffe (Vitamine+Co.).

Leider höre und lese ich oft in der Laienpresse komische Dinge: Z.B. hat sich irgendwer ausgedacht, wenn man Vitamin D einnimmt, MUSS man auch Vitamin K einnehmen, da Vitamin D das Calcium im Blut erhöhe und dann bräuchte man Vitamin K um das Calcium wieder aus den Gefäßen zu holen damit es nicht zur Gefäßverkalkung komme. Falsch: Vitamin D macht keine Gefäßverkalkung (11). Und dann müsse man auch noch die Menge der Vitamin K Aufnahme an die Menge der Vitamin D Aufnahme anpassen, am besten noch nach einer ganz bestimmten Formel ???????? Ist leider alles komplett falsch. Bitte wieder vergessen.

Vitamin D ist wichtig für die Knochengesundheit und hat viele andere positive Effekte, wie Gefäßgesundheit, weniger Herzinfarkte und weniger Schlaganfälle, besseres Immunsystem und weniger Krebserkrankungen und vieles mehr. Das ist so und ist mehrfach für Vitamin D nachgewiesen. Vitamin D erhöht NICHT die Verkalkung der Gefäße. Im Gegenteil. Vitamin D ist ein Vitamin und fördert die (Gefäß-)Gesundheit.

Auch Vitamin K ist vorteilhaft für die Gesundheit. Für Knochen und Gefäße.

Beide sind gut. Aber man muss nicht die Dosis des einen an die Dosis des anderen anpassen !!!. Man sollte einfach von beidem ausreichend haben, so dass der Körper gut funktionieren kann. Und das kann er eben nur wenn er ALLE Vitamine in ausreichender Menge zur Verfügung hat.

Was ist ausreichend? Die offizielle Empfehlung (DACH-Referenzwerte) für Vitamin K beträgt 60-80 µg pro Tag. Da die Referenzwerte immer sehr niedrig angesetzt sind und es bisher keine negativen Wirkungen beschrieben sind, empfehlen wir ca. 100 µg Vitamin K pro Tag.

Zusammenfassung:

  • Vitamin K ist essentiell, heißt muss man ESSEN. Kann der Körper nicht selbst herstellen. Daher ein essentielles Vitamin. Vitamin K ist notwendig für die Synthese von Proteinen (Gerinnungsfaktoren, Osteocalcin, MGP, u.v.m.)
  • Vitamin K kannte man früher in der Medizin nur im Zusammenhang mit der Blutgerinnung. Heute sind auch positive Effekte für die Knochen und Gefäßgesundheit beschrieben.
  • Vitamin K Mangel macht vermehrte Blutungen, daher müssen Neugeborene eine Vitamin K Prophylaxe bekommen
  • Vitamin K Antagonisten (z.B. Marcumar®) werden in der Medizin eingesetzt, um die Blutgerinnung zu hemmen. MarcumarPatienten sollten also nicht unkontrolliert Vitamin K zu sich nehmen.
  • Vitamin K und Vitamin D sind beide gut und beide wichtig. Man muss die Dosis des einen nicht an die Dosis des anderen „anpassen“, wie fälschlicherweise manchmal behauptet wird. Daher auch Marcumarpatienten die nicht unkontrolliert Vitamin K nehmen dürfen, sollen bitte trotzdem das gute und wichtige Vitamin D gegen Osteoporose nehmen. (Da Marcumar das Osteoporose Risiko erhöht, sollte bei Osteoporose überlegt werden, wenn möglich, auf neuere orale Antikoagulantien =NOAK umzustellen (12))
  • Tagesdosis vom Vitamin K ca. 100 µg

Quellen:

  1. http://flexikon.doccheck.com/de/Morbus_haemorrhagicus_neonatorum
  2. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/024-022l_S2k_Prophlaxe_Vitamin_K_Mangel_Neugeborene_2016-04.pdf
  3. Maturitas. 2002 Mar 25;41(3):211-21.Effect of continuous combined therapy with vitamin K(2) and vitamin D(3) on bone mineral density and coagulofibrinolysis function in postmenopausal women.Ushiroyama T1, Ikeda A, Ueki M.
  4. Am J Clin Nutr. 1999 Jan;69(1):74-9.Vitamin K intake and hip fractures in women: a prospective study.Feskanich D1, Weber P, Willett WC, Rockett H, Booth SL, Colditz GA.
  5. Proc Nutr Soc. 2003 Nov;62(4):839-43.Vitamin K and bone health. Bügel S1.
  6. J Nutr Metab. 2017;2017:6254836. doi: 10.1155/2017/6254836. Epub 2017 Jun 18.Vitamins K1 and K2: The Emerging Group of Vitamins Required for Human Health. Schwalfenberg GK1.
  7. Z Kardiol. 2001;90 Suppl 3:57-63.Role of vitamin K and vitamin K-dependent proteins in vascular calcification. Schurgers LJ1, Dissel PE, Spronk HM, Soute BA, Dhore CR, Cleutjens JP, Vermeer C.
  8. J Hum Hypertens. 2016 Jul;30(7):418-23. doi: 10.1038/jhh.2015.55. Epub 2015 May 28.Desphospho-uncarboxylated matrix Gla protein is associated with increased aortic stiffness in a general population.Mayer O Jr1,2, Seidlerová J1,2, Wohlfahrt P3,4, Filipovský J1,2, Vaněk J1, Cífková R3,4, Windrichová J5, Topolčan O5, Knapen MH6, Drummen NE6, Vermeer C6.
  9. Osteoporos Int. 2001;12(8):680-7.1,25-Dihydroxyvitamin D3 promotes vitamin K2 metabolism in human osteoblasts.Miyake N1, Hoshi K, Sano Y, Kikuchi K, Tadano K, Koshihara Y.
  10. Curr Nutr Rep. 2017;6(3):197-205. doi: 10.1007/s13668-017-0208-8. Epub 2017 Jul 10.The Role of Vitamin K Status in Cardiovascular Health: Evidence from Observational and Clinical Studies. van Ballegooijen AJ1, Beulens JW2,3.
  11. J Bone Miner Metab. 2017 Mar 31. doi: 10.1007/s00774-017-0832-9. [Epub ahead of print]Vitamin D status and abdominal aortic calcification in postmenopausal women.El Maghraoui A1, Hamza T2, Sadni S2, El Maataoui A3, Majjad A2, Rezqi A2, Ouzzif Z3, Mounach A2.
  12. JAMA. 2017 Mar 21;317(11):1151-1158. doi: 10.1001/jama.2017.1363.Association Between Dabigatran vs Warfarin and Risk of Osteoporotic Fractures Among Patients With Nonvalvular Atrial Fibrillation.Lau WC1, Chan EW1, Cheung CL2, Sing CW1, Man KK3, Lip GY4, Siu CW5, Lam JK6, Lee AC6, Wong IC7.
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

10 Kommentare
  • maria f. vor 2 Monaten
    Nach dem Seminar Abnehmen ist dieser Artikel wirklich super! Danke!
  • Maja vor 8 Monaten
    Danke, auch ich habe mich gewundert, dass Vitamin D nicht mit Vitamin K ergänzt wird/wurde, vom Orthopäden. Als ich ihn fragte, sagte er, dass es nicht möglich sei, den Vitamin-K-Spiegel im Blut zu messen (?). Kann man über die richtige Ernährung ausreichend Vitamin K zuführen - und welche Lebensmittel sind da besonders zu empfehlen?
  • Corina vor 1 Jahr
    Vielen Dank für diesen Artikel! Toll finde ich, das auf falsche Aussagen ausdrücklich hingewiesen wird und sie mehr als deutlich klargestellt werden. Hier wird man umfassend, objektiv, vor allen Dingen aber sehr gut verständlich informiert und aufgeklärt.
  • Reinhild vor 1 Jahr
    Dankeschön,daß uns so schön und kompakt das neueste Wissen übermittelt wird
  • Sybille A. vor 1 Jahr
    Ich habe auch schon von vielen gehört dass man bei Einnahme von Vit. D (muss ich auch nehmen) unbedingt Vit. K zusätzlich einnehmen sollte. Danke dass ich hier nun mal aufgeklärt wurde - denn warum verordnet die Ärztin (Schilddrüse) mir Vit. D und lässt Vit. K einfach unerwähnt.
  • marianne vor 1 Jahr
    Hallo,ich sag auch mal danke für die info, denn ich habe den d mangel, soll vom arzt aus 20000 in der woche einnehmen. leute mit denen ich sprach sagten, man das ist ist zu wenig und k musst du auch nehmen. alles verwirrend .
  • Gina T. vor 1 Jahr
    Lieben Dank für die wichtigen Infos, denn diese Story, dass Vitamin D in Kombination mit Vitamin K genommen werden MUSS, hatte auch bei mit zur Verwirrung geführt... Happy Nikolausi ? !!
  • Petra vor 1 Jahr
    Danke für die Information, war mir bisher nicht bekannt.
  • Christine vor 1 Jahr
    Wieder etwas dazugelernt, eure Tipps sind unbezahlbar
  • Sabine vor 1 Jahr
    Vielen Dank, für den tollen und sehr informativen Artikel, über das Vitamin K.

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