Hochtrabende Professoren

Wir wissen es und sagen es seit Jahren: Bewegung/Sport ist die beste Medizin. Heilt fast alle unsere Zivilisationskrankheiten. Verlängert unser Leben. Verbessert das Wohlbefinden. Macht uns fröhlicher. Besser als jedes Medikament. Dazu noch gesunde Ernährung, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, essentielle Aminosäuren und unser Körper hat alles um gesund werden zu können. Warum aber behandeln wir Ärzte lieber mit Medikamenten? Obwohl die Wirkung viel, viel geringer ist und die Nebenwirkungen teils erschreckend? Selbst in offiziellen Leitlinien steht bei all diesen Erkrankungen an erster Stelle: Lebensstilmodifikation. Heißt Bewegung und gesunde Ernährung. Danach kommen die weiteren Empfehlungen. Man sehe sich nur mal die Leitlinie Diabetes an (nur mal kurz überfliegen und durchscrollen): http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/dm-therapie-1aufl-vers4-kurz.pdf

Da haben sich viele Menschen viel Mühe gegeben. Und am Ende: Bewegung und gesunde Ernährung sind der Schlüssel zum Erfolg. Und das gilt für fast alle unsere westlichen Zivilisationserkrankungen. Wir haben in einem älteren Newsbeitrag schon mal das Beispiel eines neuen Diabetes-Medikamentes besprochen, welches den Herzinfarkt bei 1,6% der Patienten verhindert. Bestes Diabetes-Medikament aller Zeiten. Und Bewegung? Senkt die Gesamtsterblichkeit um 54%. An erster Stelle und mit Abstand höchstem Erfolg steht die Bewegung und Ernährung. Warum wird dann immer nur über irgendwelche Medikamente gesprochen? Dafür gibt´s Gründe. Der Hauptgrund: Bewegung und Ernährung, 2 Worte, einfach zu trivial, zu banal. Professoren beschäftigen sich lieber mit neuen großen Studien zu neuen Medikamenten. Nicht viel anders, ist es bei dem Hausarzt in der Praxis. Da hat man 6 Jahre studiert und 6 Jahre Facharztausbildung absolviert. Unfassbare Mengen an Wissen aufgesogen. 12 Jahre Gehirnakrobatik betrieben. Nur ein Beispiel: in der Anatomie hat man für den Bewegungsapparat 4 Wochen Zeit zu lernen. In diesen 4 Wochen muss man 300 Muskeln mit Ursprung, Ansatz, Innervation und Funktion lernen. Zum Beispiel der Musculus rectus femoris:

Ursprung: Spina iliaca anterior inferior, Ansatz: Quadrizepssehne, Patella, Patellasehne, Tuberositas tibiae. Innvervation: N. femoralis L2-L4, Funktion: Beugung des Hüftgelenkes und Streckung des Kniegelenkes.

Das war nur ein Muskel. Davon 300. In 4 Wochen. Gehirnakrobatik. Und das 12 Jahre lang. Unmengen an Wissen. Und dann sitzt man in der Praxis vor einem Patienten mit einer Erkrankung. Und soll sagen: Bewegung und gesunde Ernährung. Wie trivial. Und das denkt dann auch der Patient: “Dieser Arzt hat ja keine Ahnung, der sagte nur, ich soll Sport treiben.“  Also was macht der Arzt: er lernt die Leitlinien auswendig, wendet sie an. Und weil die Leitlinie so komplex ist, bleibt für das wichtigste nur ein Nebensatz, ach übrigens: Bewegung und Ernährung sind wichtig. Der kleine Nebensatz geht dann aber schnell in der ganzen Komplexität unter und die besondere Wichtigkeit und Wirksamkeit ebenso. Also wird das wichtigste schnell vergessen. Wer die oben genannte Leitlinie z.B. für Diabetes liest, ohne Hintergrundwissen, überliest schnell die wichtigste Empfehlung: Bewegung und Ernährung.

Eben zu trivial. Mein lieber ehemaliger Pathologie-Professor war ein lustiger kleiner Mann mit österreichischem Dialekt. Aber genial. Bester Professor aller Zeiten. Er sagte immer wieder: „Medizin ist quatscheneinfach!“. War übrigens der einzige Professor, der sich das zu sagen traute. Das tat kein Anderer. Aber er hatte recht. Wenn wir Dinge kompliziert reden, werden sie davon nicht richtiger. Was ich Ihnen heute mitgeben möchte: die Komplexität eines Themas spiegelt nicht dessen Richtigkeit und Wichtigkeit wieder. Das scheinen aber viele Professoren in den Gremien und Ausschüssen, die unsere Leitlinien erstellen, zu glauben. Dabei ist und bleibt Gesundheit sehr einfach: Bewegung, gesunde Ernährung. 30-60 Minuten Sport am Tag, wenig Kohlenhydrate, alle essentiellen Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Aminosäuren zu sich nehmen. Fertig. Glauben Sie mir, 80% meiner täglichen Patienten in der Praxis bräuchten keine weitere Medizin.

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

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