Impfungen

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 20. Oktober 2019
  • Letzte Änderung: 04. November 2019
  • 8 Kommentare
  • 12 min Lesezeit

Heute möchte ich mal was Allgemeines über Impfungen sagen, wie schon angekündigt und anlehnend an die News: „Nahrungsergänzungsmittel differenziert betrachten“.

Leider lassen wir uns heutzutage sehr von Einzelnachrichten aus den Medien leiten. Das kommt daher, dass man sich leicht einzelne Überschriften merken kann, während man dabei den Gesamtzusammenhang vergisst oder nicht weiterliest. Die sogenannte „Verfügbarkeitsheuristik“. Das führt zu Fehlinformationen. Wie in dem Beispiel mit den Flugzeugabstürzen. Weltweit fliegen täglich 200.000 Flugzeuge (73 Mio. pro Jahr). Ist alltäglich. Natürlich wird davon in den Nachrichten nicht berichtet. Berichtet wird aber von einem dramatischen Flugzeugabsturz. Das bleibt im Gedächtnis. Logisch, wir fühlen mit. Das sollte ja niemanden kalt lassen. Also bekommen einige auch Angst vorm Fliegen. 2017 gab es weltweit 9 Flugzeugabstürze. 67 Tote. Bei 4.000.000.000 Passagieren pro Jahr. Völlig unlogisch also, vorm Fliegen Angst zu haben. Trotzdem haben viele ein mulmiges Gefühl dabei. Einige verzichten sogar ganz darauf. Gegen 67 Flugzeugtote gab es 2017 jahrlich weltweit 1.350.000 Verkehrstote. Viel, viel gefährlicher. Wie stark ist das mulmige Gefühl aus dem Flugzeug zum Vergleich im täglichen Straßenverkehr? Meist eher höher. Obwohl das Risiko im Straßenverkehr 20.000 mal höher ist zu Sterben, als im Flugzeug. Ist so. Das ist auch normal. Fliegen ist ein selteneres und größeres Ereignis als die tägliche Teilnahme am Straßenverkehr. Das geht jedem so. Was wir aber daraus lernen müssen ist, dass uns unser Bauchgefühl gerne täuscht. Deshalb sollte man sich manchmal besser auf die Statistik verlassen. Die Mathematik lügt nicht.

Gleiche Denkfehler gibt es oft beim Impfen. Millionen Leben werden täglich durch Impfungen gerettet. Darüber liest mal selten in der Zeitung. Und dann nicht dramatisch. Sondern ein normaler Bericht. Einzelfälle von Impfschäden werden aber als große Katastrophe und Medienwirksam weit verbreitet. Führt wieder zu dem statistischen Denkfehler: das Risiko zu sterben wird um das Millionenfache reduziert. Davon liest man nichts. Während ein seltener Impfschaden sofort bekannt wird und jeder davon (natürlich) erschüttert ist. Das schlechte Bauchgefühl beim Impfen bleibt dann bei vielen hängen. Man sieht den Impfschaden. Das Nicht-Auftreten von Krankheiten sieht man aber nicht. Was man nicht sieht ist für viele nicht vorhanden. Also überwiegt dann häufig das schlechte Bauchgefühl. Ist aber leider ein Denkfehler. Den Fehler haben wir alle in uns drin. Ist ganz natürlich und kein persönlicher Fehler oder Schwäche. Das ist normal. Das ist klassische Psychologie. Daher muss man bei wichtigen Entscheidungen häufig eher der Wissenschaft und der Mathematik glauben, als dem (leider falschen, oder durch Medien falsch-produzierten) Bauchgefühl.

Ein paar Fakten zum Impfen:

Was ist Impfen überhaupt?

Die Idee des Impfens ist es, durch eine kleine Dosis eines abgeschwächten Erregers oder gar nur durch einzelne Moleküle des Erregers das Immunsystem zu stimulieren, Antikörper gegen diesen Erreger herzustellen. Wird der Körper nun mit einem Erreger befallen, so hat der Körper bereits die notwendigen Abwehrmaßnahmen parat, um den Erreger zu vernichten, so dass es nicht zur Vermehrung der Erreger und damit zum Ausbruch der Krankheit kommt. Der Vorteil: die Antikörperbildung ist schon durchgeführt worden. Leider braucht unser Körper für diese Bildung 1 - 2 Wochen. Bis dahin haben sich die Bakterien/Viren aber fröhlich weitervermehrt. Man wird krank. Und manchmal gewinnen die Erreger. Das Immunsystem, unsere Antikörper kommen zu spät. Das Impfen ist sozusagen ein Zeitvorteil. Man hat die Abwehrmechanismen schon vorliegen und sie müssen nicht erst langsam gebildet werden, bis es manchmal schon zu spät ist.

Funktion des Immunsystems: Ein Virus gelangt in unseren Körper. Unsere Immunzellen (Leukozyten), hier die T-Zellen, erkennen das Virus aufgrund dessen spezieller Oberfläche. Die T-Zelle veranlasst die B-Zelle genau diese Antikörper zu produzieren, die auf die Oberfläche des Virus passen. Diese Antikörper können sich somit an das Virus heften und dieses zerstören.

Bei der Impfung reicht es häufig, nur einen kleinen harmlosen Teil des Virus (z. B. ein Oberflächenglykopeptid) zu verabreichen. Die T-und B-Zellen bilden daraufhin die gleichen Antikörper, die auch durch das lebende, gefährliche Virus gebildet worden wären.

Kommt nach der Impfung nun ein gefährliches, vermehrungswilliges Virus an, ist der Antikörper schon da und kann das Virus, bevor es sich vermehrt, zerstören.
Diese Oberflächenmoleküle sind sozusagen das Erkennungsmerkmal des Virus (oder auch Bakteriums, einfachheitshalber schreibe ich hier nur Virus). Es ist nur ein winziger Teil vom Virus. Sozusagen das Türschild am Haus. Nur das Türschild wird als Impfung verabreicht, so dass das Immunsystem eine Ahnung hat, wie das Virus aussieht und sich darauf vorbereiten kann. Oder anders: man zeigt der Polizei (Immunsystem) schonmal ein Photo (Impfung) von dem Terroristen (Virus/Bakterium), damit, wenn der Terrorist kommt, die Polizei ihn erkennt und rechtzeitig festnehmen kann, bevor er eine weitere schlimme Gewalttat begeht. Die Impfung ist also nur das Photo des Terroristen. Angst vor Impfungen zu haben, wäre, als hätte man mehr Angst vor dem Photo des Terroristen, als vor dem Terroristen und seinen Anschlägen selbst.

Pocken: bis ins 18. Jahrhundert eine tödliche, stark ansteckende Viruserkrankung. Hunderttausende Menschen fielen dieser Seuche zum Opfer und starben daran. Impfungen dagegen wurden im asiatischen Raum schon vor 3000 Jahren durchgeführt. In Europa wurde 1796 durch Edward Jenner der Wirknachweis geführt. Wie wurde das damals gemacht? Man nahm aus den Pockenbläschen von Kuhpocken ein bisschen Sekret und inokulierte es dem Menschen. Dieser erkrankte an den nichttödlichen Kuhpocken, war aber danach immun gegenüber dem lebensgefährlichen Pockenvirus. Die Impfung wurde im Laufe der Jahre natürlich moderner und besser. Übrigens wurde 1807 in Bayern erstmals eine Impfpflicht gegen Pocken eingeführt. Danach auch in anderen Ländern. Durch die weltweite Impfung konnte 1980 die komplette, weltweite Ausrottung der Pocken erreicht werden.

18. Jahrhundert: 400.000 Tote jährlich durch Pocken (1). 10 % Kindersterblichkeit durch Pocken – jedes 10. Kind!!! (2)

Heute: 0 Tote jährlich durch Pocken. 0 % Kindersterblichkeit durch Pocken.

Tetanus

Der Erreger des Wundstarrkrampfes. Das Bakterium Clostridium tetani, welches offene Wunden infizieren kann, da es überall in der Umwelt vorkommt, produziert das tödliche Tetanustoxin Tetanospasmin. Diese macht eine dauerhafte Muskelverkrampfung bis hin zu Krämpfen und Lähmungen der Atemmuskulatur. Ein qualvoller Tod. In armen Ländern mit schlechter Impfversorgung sterben auch heutzutage noch 290.000 Menschen jährlich am Wundstarrkrampf. Die meisten davon (250.000) Neugeborene und Säuglinge. (Das können die mütterlichen Antikörpern verhindern: sie sind Plazentagängig, heißt die mütterlichen Antikörper werden übertragen und schützen die Kleinen). Deshalb besonders wichtig, dass werdende Mütter geimpft sind, um ihren Nachwuchs zu schützen.

2006: 290.000 Tote jährlich in Ländern mit geringer Impfrate (3)

Deutschland heute: unter 15 Erkrankungen pro Jahr (3)

 

Polio/Kinderlähmung

Vor 1960: 100.000 Poliofälle pro Jahr

Nach Einführung des Lebendimpfstoffes nach 1960: <1000 Poliofälle pro Jahr. (4)


Diphterie

1943 in Deutschland vor der regelmäßigen Impfung: 245.000 Fälle

2001 - 2016 in Deutschland: in 15 Jahren insgesamt 80 Fälle

 

Dass Impfungen einen erheblichen Nutzen bringen, die Krankheitsfälle auf sehr niedrige Fallzahlen senken und damit Hunderttausende Menschenleben retten wird aus den o. g. Zahlen ersichtlich.
Nun haben sehr viele Menschen Angst vor Nebenwirkungen von Impfungen. Hier ein sehr guter und vor allem seriöser Bericht über Imfpschäden (unter Quelle: 5).

Impfkomplikationen, also unerwünschte Nebenwirkungen von Impfungen sind insgesamt sehr selten. Diese werden genau erfasst und sind meldepflichtig. Insgesamt gibt es ca. 0,0081 Impfkomplikationen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Macht eine Impfnebenwirkung auf 12.000.000 Menschen. (5) Selbst in diesen Fällen konnte nicht sicher gesagt werden, ob die Impfung ein zufälliger zeitlicher Zusammenhang oder wirklich das kausale Ereignis war. Denn erkrankt jemand kurz nachdem er eine Impfung erhalten hat, muss das noch nicht von der Impfung gekommen sein. Es gibt viele Ursachen für Krankheiten. Manchmal kann eine Impfung möglicherweise ein Auslöser für das Auftreten einer schon länger schlummernden Autoimmunkrankheit sein. Ist aber deshalb nicht die Ursache. Autoimmunerkrankungen treten häufig nach einem Infekt auf. Da dadurch das Immunsystem aktiviert wird, kommt es zum Erscheinen der Erkrankung. Heißt aber nicht, dass der Infekt, die Erkältung die Ursache der Autoimmunerkrankung war. Die Ursache ist oft komplex, liegt meist viele Jahre zurück oder ist sogar in den Genen verankert. Daher, was wirklich wichtig ist: Bitte niemals Ursache und Anlass verwechseln. Die Ursachen sind meist multifaktoriell (viele Ursachen) und liegen lange zurück. Ein Anlass ist ein akutes Ereignis, sozusagen der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber nicht die Ursache. Der Anlass ist bei den meisten Dingen nur ein Gelegenheitsauslöser. Wäre ein spezieller Anlass nicht da gewesen, dann wäre der nächste kleine (Bagatell-) Anlass der Auslöser eines Ereignisses geworden. Das alles gilt nicht nur bei Krankheiten. Daher eine besondere Bitte von mir: den UNTERSCHIED VON URSACHE UND ANLASS beachten. Egal wo. Dieses missachten finde ich (sicher nicht nur ich) immer besonders schade. Und führt zu vielen Denkfehlern.

Zusammenfassung:

  • Vor Impfungen: hunderttausende Tote, Seuchen, Angst vor Ansteckung, hohe Kindersterblichkeit
  • Durch Impfungen: nur seltene Einzelfälle von Erkrankungen, teilweise vollständige Ausrottung von tödlichen Krankheiten
  • Impfnebenwirkungen: ca. 30-50 pro Jahr in Deutschland (5). Ca. einer von 12 Millionen Menschen. (auch wenn Impfschäden sehr selten sind: JEDER kennt so einen mit Impfschaden. Wenn es auch nur 50 Menschen von 80.000.000 Menschen in Deutschland sind. Warum? Ein Statistiker hat mal ausgerechnet, dass man über 6 Ecken JEDEN Mensch der Welt kennt. Einfache Mathematik: Jeder Mensch kennt ungefähr 100 andere Menschen. Heißt um eine Ecke kennt man schon 100^2 = 10.000 Menschen. Um 6 Ecken dann 100^5 = 10.000.000.000 Menschen. Heißt 100^3 = 1.000.000. Um 4 Ecken kennt jeder hier einen Menschen mit Impfschaden. Der Freund des Schwagers einer Bekannten hat einen Impfschaden. Auch wenn das nur 1 von 1.000.000 ist. Man denkt, wenn man aus direkter Nähe schon jemanden kennt, muss das ja sehr häufig sein. Auch wieder ein statistischer Fehler. Unser Bauchgefühl hat´s nicht so mit Zahlen und Statistik. Daher bitte der Mathematik mehr als dem Bauch vertrauen, wenn es um Wissenschaft geht.)

PS: Ich weiß von den vielen Impfgegner-Seiten im Internet. Die Zahlen oben sind wissenschaftliche, seröse Zahlen aus anerkannten Veröffentlichungen und Fachzeitschriften. Diese Zahlen über die Krankheiten sind korrekt. Natürlich kann man alles in Frage stellen, nichts und niemandem Glauben. Aber dann kommt man in den Bereich der Verschwörungstheorien und Esoterik. Da kann man sich auch schnell mal drin verirren. Es gibt Menschen, die verirren sich im Internet auf Verschwörungstheorie-Seiten und glauben die Erde sei eine Scheibe und vieles andere absurde. Diese Verschwörungstheoretiker arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip. Teilweise wissenschaftliches mit (oft dann gut getarnt) pseudowissenschaftlichem Anteil gepaart. Dazu verlinken sie an anderen Autoren mit der gleichen Theorie, um die eigene Aussage zu erhärten („wenn das so viele Denken, muss doch was dran sein“) und Bildung eines gemeinsamen Feindes (Industrie, TV, Geheimdienste, Mächtige und Reiche): „nichts schweißt mehr zusammen als ein gemeinsamer Feind“. Und schon hat sich eine Gruppe mit einem, wenn auch noch so wahnwitzigen Hirngespinst zusammengefunden und schaukelt sich mit pseudowissenschaftlichen und angeblichen (meist erfundenen) Einzelfallbeobachtungen und Erfahrungsberichten hoch. Schon sind die Leute da drin und glauben nichts anderes mehr. Leider auch so auf den Impfgegner Seiten.
Kaum eine medizinische Maßnahme ist so erfolgreich und nebenwirkungsarm wie das Impfen. Impfen heißt Stärkung des Immunsystems. Das beste was die Medizin zu bieten hat. Das Immunsystem auf einen möglichen Angriff vorbereiten. Das entspricht genau dem, was pur-life fördert: die Gesundheit stärken, das Immunsystem stärken, um auf eventuelle Bedrohungen von außen und auch von innen gewappnet zu sein. All das BEVOR!!!! die Krankheit da ist. Bewegung, Ernährung heißt zu impfen vor Krankheiten. Impfen entspricht daher exakt der Philosophie von pur-life.

Zum Schluss noch ein ganz wichtiges Thema zum Impfen: man macht es nicht nur für sich selbst, sondern tut etwas für andere! Nicht alle Menschen können geimpft werden. Z. B. krebskranke Kinder unter einer Chemotherapie, an Leukämie erkrankte Kinder unter Knochenmarkablation und andere kranke oder immungeschwächte. Diese haben ein extrem schwaches Immunsystem. Können daher nicht geimpft werden. Sind aber besonders anfällig für Infektionskrankheiten und müssen sich darauf verlassen können, dass durch eine hohe Impfrate in der Bevölkerung die Krankheit gar nicht erst im Umlauf ist. Heißt, wenn man sich nicht für sich selbst impfen möchte, dann bitte doch zumindest für die armen kleinen, kranken Kinder und andere gefährdete Menschen (kranke, alte Menschen, etc.) die nichts dafür können. Sie können nicht geimpft werden und sie können nichts für diese Verschwörungstheoretiker.

Das Ganze nennt sich Herdenimmunität:

Herdenimmunität

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.impfen-info.de/

Herdenimmunität: wenn eine bestimmte Anzahl in der Bevölkerung geimpft ist, dann kann sich eine Krankheit nicht ausbreiten. In der Regel sind das um die 80%. Heißt, wenn sich mindestens 80 % der Bevölkerung impfen lassen, dann sind auch die anderen 20%, die sich vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, mit geschützt. Auch die Impfgegner, in diesen 20%, sind mitgeschützt. Diese Herdenimmunität ist auch der Grund, warum diejenigen, die ungeimpft sind, heutzutage (noch) selten, größeren Schaden davon nehmen und daher meinen, das braucht man ja gar nicht, das mit dem Impfen. Was man nicht sieht, ist für viele nicht da. Heutzutage sieht man nun die schlimmen Krankheiten nicht mehr und sie geraten in Vergessenheit. Das ändert sich aber zunehmend wieder, was aktuell der hohe Anstieg der Masernfälle zeigt. Da leider immer mehr Impfgegner existieren.
Fazit: Wenn man sich schon nicht für sich selbst impfen lassen möchte, dann doch zumindest für die anderen. Wenn alle meinen, ja die 80% geimpften sollen doch die anderen sein, dann funktioniert das Ganze nicht. Man denke doch bitte zumindest an die kleinen, krebskranken Kinder unter Chemotherapie oder mit aus anderen Gründen geschwächtem Immunsystem oder die Neugeborenen, die noch keine Immunität herstellen konnten. Wenn die dazu noch Masern, Mumps, Keuchhusten oder Diphterie bekommen, na dann gute Nacht. Impfgegner sind für mich Menschen, die die Wissenschaft ignorieren und damit Tod und Leid in Kauf nehmen. Anders kann man es nicht sagen.

PPS: Für die Impfgegner: ich kann leider aus zeitlichen Gründen nicht jeden der tausenden Anti-Impf-Internetseiten kommentieren. Auch wenn ich jeden wiederlegen könnte, das würde zu lange dauern. Für so einen Artikel wie diesen hier brauche ich neben meiner Tätigkeit in der Kassenpraxis mit 80 - 100 Patienten am Tag, ein bis zwei Wochen. Ich glaube ich konnte ausführlich schildern, wie der Stand der Dinge und das Wissen um Impfungen ist. Ich werde deshalb keine Kommentare von Impfgegnern beantworten. Wer sich gerne auf Verschwörungstheorie-Seiten aufhält und diese gerne liest, kann das machen. Das ist jedem seine eigene Sache. Links zu solch unseriösen, unwissenschaftlichen und daher auch gefährlichen Seiten werden aber in den Kommentaren von unserer Seite hier gelöscht. Mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren macht wenig Sinn, da diese gegen wissenschaftliche Argumente resistent sind. Das ist ein ewiges hin und her. Wer auf Verschwörungstheorien steht, hat oft eine fest unabänderliche Meinung und ist der Wissenschaft gegenüber Erkenntnis-Resistent. Und auf nicht-wissenschaftlicher Basis werde ich mich nicht auf Hokuspokus-/Esoterik-Diskussionen einlassen. Sorry, für die klaren Worte, aber in diesem Fall und bei diesem Thema muss das sein. Auch wenn man sich damit in vielen Fällen keine Freunde macht. Als Arzt muss man häufig die Wahrheit, so wie sie ist, aussprechen und sich dabei auch mal unbeliebt machen. Aber anders wäre es nicht ehrlich. Ganz im Sinne: „Everybody´s Darling is nobody´s Darling“.

Quellen:

  1. Stefan Riedel: Edward Jenner and the history of smallpox and vaccination. In: Proceedings (Baylor University. Medical Center). Band 18, Nr. 1, Januar 2005, S. 21–25, PMID 16200144, PMC 1200696 (freier Volltext).

  2. Iris Ritzmann: Impfung. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 660–664; hier: S. 660.

  3. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tetanus.html

  4. Ann Trop Med Parasitol. 2006 Jul-Sep;100(5-6):401-13.Eradicating polio: today's challenges and tomorrow's legacy.Aylward RB1.

  5. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Downloads/meyer_anerkannte.pdf?__blob=publicationFile

 

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

8 Kommentare
  • Gabriele Zitzmann vor 8 Stunden
    Ein sehr guter Artikel, der Klarheit schafft!!!! Leider diese tolle Zusammenfassung der Tatsachen nur für zu wenige Leser zugänglich. Als geimpfter Mensch kann ich auch sehr viel beruhigter durch das Leben gehen und muss keine Angst haben...
  • Sandra Wiedemann vor 2 Wochen
    Wie toll ist das denn bitte erklärt? Ich muss mich ständig rechtfertigen warum wir uns mit unseren Allergie, Asthma und Neurodermitis impfen lassen. Hab jetzt auch die zweite Masernimpfung, weil man 1977 nur einmal gespritzt hat. Wir sind immer auf dem aktuellen Stand und bisher ist auch unseren Kindern nichts passiert. Wenn ich die Impfgegner höre, dass Kinder und Babys Schmerzen durch die Spritze erleiden.... könnte ich die Krise kriegen. Denn ich glaube ein Sturz bei den ersten Gehversuchen tut viel mehr weh. Aber was weiß ich denn schon. Unsere Kleinen sind nun schon 11 und 14 Jahre alt.
  • Arnold M. vor 3 Wochen
    Herzlichen Dank
  • Rebecca Herrmann vor 3 Wochen
    Lieber Volker, vielen Dank für diesen wichtigen Artikel. Als Gynäkologin rede ich mir den Mund fusselig. Ich impfe jeden Tag und habe noch nicht einen "Impfschaden" gehabt. Immer wieder lehnen die Mütter die Impfung gegen HPV ab, da sie den Seiten der Impfgegner mehr vertrauen als uns und dem RKI. Ich betreue dann die jungen Frauen, die sich mit HPV angesteckt haben und 10-15 Jahre später an Krebsvorstufen oder schlimmer erkrankt sind. Diese Frauen würden sich im Nachhinein immer impfen lassen, wenn sie die Chance gehabt hätten. In Deutschland liegt die Durchimpfungsrate für HPV bei jungen Frauen unter 50%! In Australien, die die Impfung als erste eingeführt haben, liegt sie bei über 80%. Dadurch konnte Rate an Neuerkrankungen sog HPV- assoziierter Läsionen drastisch gesenkt werden. Viele wissen auch gar nicht, dass seit annähernd 2 Jahren auch die Jungen geimpft werden können. Aber immer wieder kommen Mütter zu mir, weil die Jungs von den Kinderärzten abgewiesen werden: "Ach, das brauchen nur die Homosexuellen!" Dabei können auch Männer erkranken oder eben ihre Partnerinnen anstecken. Oder Keuchhustenimpfung: England impft seit mehreren Jahren alle Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel gegen Keuchhusten, da sich die Anzahl der Todesfälle bei Säuglingen sehr erhöht hatte. Keuchhusten im Säuglingsalter ist wirklich lebensbedrohend, diese Kinder haben nämlich nicht den Hustenantrieb wie größere, sondern hören einfach auf zu atmen. Impfen wir die Schwangeren, können diese über den sogenannten Nestschutz ihre Kinder nach der Geburt vor einer Ansteckung schützen. Und Keuchhusten ist durch die mangelnde Impfbereitschaft wirklich wieder zu einem Problem geworden. So, das lag mir mal auf der Seele. Also, lasst bitte Euch und Eure Kinder impfen! Ihr schützt nicht nur ihr Leben. @Annette: eine Antikörperbestimmung vor Impfung empfiehlt man nicht mehr, da die Höhe der Antikörper nichts über die Immunität aussagt. Dokumentierte Impfungen bieten eine höhere Aussagekraft. Und Impfungen bei Babies und Kleinkindern trainieren auch ihr Immunsystem. Es gibt Studien, die zeigen, dass geimpfte Kinder weniger Allergien und Erkrankungen wie Asthma haben. Dies erklärt man sich so, dass eben ihr Immunsystem von Anfang an besser trainiert wurde, da es in Kontakt mit Erregern gekommen ist;-)
  • Annette vor 3 Wochen
    Danke für diesen Artikel. Natürlich soll und muss sich jeder selber mit dem Thema auseinandersetzen. Ich selber habe immer darauf geachtet, dass meine Familie geimpft ist. Auch bei mir selber achte ich darauf, dass der Schutz aufrecht bleibt. Wobei ich heute durchaus auch den Titer bestimmen lasse, bevor ich die Impfung erneuere. - Was mich jetzt interessieren würde: sind die Mehrfachimpfungen gut für so ein junges Immunsystem? Ich verstehe, dass man Babies und Kleinkinder nicht öfter, als notwendig stupfen möchte,könnte mir aber vorstellen, dass die Vielzahl an "Keimen" eine ziemliche Herausforderung ist. Vielleicht kann mir Dr. Volker dazu helfen? (Deine Erklärungen sind für mich so gut nachvollziehbar. Vielen Dank dafür.)
  • Yvonne B. vor 3 Wochen
    Ich impfe mich auch immer.Verstehe die nicht die dagegen sind.
  • Ursula H. vor 3 Wochen
    Lieber Dr. Volker! Ich bin ganz Ihrer Meinung und lasse mich gerne impfen. Warum sollte man eine Impfung nicht wahrnehmen, wenn man dadurch eine Krankheit verhindern kann. Durch Impfungen wurden schon viele Krankheiten ausgerottet. Was soll daran falsch sein?
  • Eveline S. vor 3 Wochen
    Lieber Dr. Volker Z. der Vergleich mit den Flugzeugabstürzen und den daraus reslultierten Toten ist gut dargestellt. Im Bezug auf Erkrankungen und daraus eine Notwendigkeit einer Impfung, kann man hier jedoch auch den Vergleich anbringen, zu welcher Anzahl von Komplikationen bei einer Infektionskrankheit, ich rede hier von einer wirklichen Komplikation mit u. U. tödlichem Ausmaß und nicht nur das Auftreten dieser Krankheit, kann es kommen wenn Kinder/Personen nicht geimpft sind. Gerne werden hier die Zahlen der Erkrankung und der Komplikationen durcheinandergewürfelt. Nicht falsch verstehen. z. B. eine Masernerkrankung, wie sie ja aktuell im Gespräch ist, ist eine unangenehme und nicht schöne Krankheit. Jedoch bekommen die Wenigsten, prozentual gesehen, davon eine Komplikation mit u. U. tödlichem Verlauf. Vergleicht man dies jetzt z. B. mit Verkehrsunfällen, so habe ich hier ein größeres Risiko Schäden, bleibende Schäden oder sogar mit einem tödlichen Ausgang zu erlangen. Kauf ich mir jetzt deswegen kein Auto mehr bzw. gehe jetzt nicht mehr auf die Straße? Nein. Dieses Risiko gehe ich ein. Ich will damit sagen, auch bei einer Erkrankung gehe ich ein Risiko ein. Aber das Risiko massiv zu erkranken (Komplikationen) ist doch auch eher gering. Bei einer Impfung die ich BEWUSST mache muss ich dann auch BEWUSST mit Komplikationen rechnen. Durch eine Impfung bin ich nicht 100% geschützt. Man geht immer davon aus. Aber wurden denn bei den geimpften Test gemacht, ob die Impfung auch wirklich angegangen ist und ich dadurch vermeintlich keine anderen anstecken kann? Nein. Auch ist es ja bekannt, dass eine geimpfte Person trotzdem Träger/Überträger einer Erkrankung sein kann. Durch eine Impfung kann ich mich also durchaus in einer falschen Sicherheit wiegen. Zurückzukommen auf Komplikationen bzw. was ist überhaupt ein Impfschaden, von dem ja die Gegner gerne ausgehen hier eine kleine Definition. "Impfschaden: Der Terminus "Impfschaden" ist kein medizinischer, sondern ein rechtlicher Begriff, der erstmals im Bundes-Seuchengesetz (BSeuchG) von 1961 definiert wurde. Laut § 2 Infektionsschutzgesetz (IfSG) handelt es sich um "die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmass einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung…" Von einem Impfschaden ist erst dann die Rede, wenn eine Impfkomplikation als solche anerkannt wurde. Nur mit dieser Anerkennung ist eine finanzielle Entschädigung möglich. Dies gilt allerdings nur für staatlich empfohlene Impfungen." In der ANERKENNUNG liegt genau das Problem. Zum einen wird eine Impfkomplikation die theoretisch ja einem Impfschaden vorausgegangen sein sollte, nur anerkannt wenn diese im zeitlichen Rahmen, ca. 4Tage nach der Impfung aufgetreten ist. Bei vielen Fällen kommt es jedoch weitaus später zu Reaktionen, die dann aus der Meldepflicht herausfallen und es, statistisch gesehen, deshalb ja auch weniger Komplikationen gibt. Ich finde jeder sollte sich sein eigenes Bild machen und sich dann auch wirklich beide Seiten einer Impfung genau anschauen. Meine Kinder wurden beide durchgeimpf. Wobei bei der letzten Impfung meiner Tochter eine starke Impfreaktion (taube Hand) aufgetreten ist und sie ein gutes Jahr damit zu kämpfen hatte. Aus diesem Grunde habe ich mir auch dieses Thema entsprechend genau angeschaut. Auch aus meiner früheren Heilpraktikertätigkeit hatte ich hier einige Fälle. Vielleicht ist es für den ein oder anderen auch hilfreich sich mal einige Vorträge des Kinderarztes Dr.Andrè Braun aus Leipzig anzuschauen. Ich verlinke den Vortrag bewusst nicht, da er wie o. a. vermutlich gelöscht wird. Man kann ihn aber durchaus im Internet finden und auch seine Vorträge dazu. Ich weiß, dass ich jetzt bei einigen in Ungnade fallen werde hoffe aber trotzdem, dass mein Komentar bestehen bleibt und sich jeder bewusst damit auseindander setzt, was jedoch wie von ihnen oben erwähnt wurde mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden ist. Aber wenn es um meine bzw. die Gesundheit meiner Kinder geht, sollte ich mir diese Zeit nehmen.

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