Kassenmedizin in Deutschland

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 06. Januar 2017
  • Letzte Änderung: 06. November 2018
  • 3 Kommentare
  • 5 min Lesezeit

Da bin ich jetzt schon knapp 2 Jahre niedergelassener Kassenarzt und habe das System immer noch nicht verstanden. 2 Jahre jeden Tag 12 Stunden mit Kassenmedizin beschäftigt sein. Da frage ich mich manchmal: liegt es an mir? Zu meiner Beruhigung geht es aber allen meinen Kollegen genauso. Es gibt so viele Bestimmungen, Regelungen, tausende Seiten Vereinbarungen, usw. Kann keiner alles kennen. Und wenn man sich, neben seiner ärztlichen Tätigkeit am Patienten, also dann Abends ab 22 Uhr damit beschäftigt und fleißig alles studiert, werden die Regeln wieder geändert, teils um 180° gedreht. Regelmäßig. Spätestens alle 2 Jahre. Man kann also in den Gesetzen und Regelungen der Kassenmedizin nie durchblicken. Nicht mal diejenigen, die das vertreten. Nämlich die KV (kassenärztliche Vereinigung). Dazu Original-Ton einer kassenärztlichen Vereinigung in Deutschland zu einem meiner Kollegen: „Das ist genau so gewollt. Sie sollen gar nicht durchblicken. So machen Sie definitiv irgendwo Fehler und wir haben Sie immer in der Hand“. Traurig aber leider wahr.

 

Was aber allgemein in der Kassenmedizin bekannt ist und wie sie funktioniert möchte ich Ihnen kurz schildern. Ist alles im Internet nachzulesen. Öffentlich. Kein Geheimnis. Kann sich jeder selbst von überzeugen. Deshalb die Links dazu aufgeführt. Aber ich finde das sollte jeder, der jemals als Kassenpatient einen Arzt aufsucht, in groben Zügen verstanden haben. Deshalb hier ein kurzer Überblick über die Kassenmedizin. Ein Arzt, nehmen wir mal das Beispiel eines Orthopäden, hat ein Budget von 21,53 € im Quartal für einen Patienten (1). Egal wie oft dieser kommt. Sozusagen eine Pauschale oder eine 3-Monats-Flatrate. Das Budget ist festgeschrieben. Ändert sich nur alle Quartale mal um ein paar Cent, aber bleibt im Großen und Ganzen so. Kann man sich kurz ausrechnen, dass da keine großen Sprünge an medizinischem Hi-Tech und schon gar nicht das teuerste, nämlich „Zeit“ ausreichend ist. Für 21,53€ bekommt man auch nicht beim Bäcker eine Flatrate für 3 Monate lang Brötchen. Geht ein Patient nun zur Krankenkasse und möchte eine spezielle Behandlung beantragen, sagt die Kasse, dass alles bezahlt wird, was notwendig ist. Die Krankenkasse bezahlt für ihren Patienten also einmal in 3 Monaten 21,53€ und ist damit aus jeder weiteren Verpflichtung raus. Sehr bequem. Ist ja noch relativ durchschaubar. Aber es geht weiter. Krankengymnastik. Der Orthopäde hat ein Budget von ca. 28€ im Quartal zu vergeben (2). Eine Behandlung Krankengymnastik kostet ca. 20€. Ein Rezept a 6 Behandlungen also 120 Euro. Man hat ja nun aber pro Patient 28€. Bedeutet erst 4 Patienten,also 4x28€, ergeben zusammen das nötige Budget für eine Verordnung KG. Heißt nur jeder 4. Patient darf einmal ein Rezept KG bekommen. 4 mal 28€ sind knapp die 120€ für ein Rezept. Kommt Patient A und bekommt Krankengymnastik. Ab dann ist für Patient B, C und D kein Budget mehr da. Dann sagt der Arzt zu Patient B: "Sorry, geht nicht mehr." Fragt Patient B: „Wieso bekommt A KG und ich nicht?“ Geht B zur Krankenkasse und fragt nach. Sagt die Krankenkasse: „Ja doch, wir bezahlen KG. Muss der Arzt verordnen.“ Macht das der Arzt dann auch, weil er es genauso als ungerecht empfindet, A KG zu geben, B aber nicht, dann hat er sein Budget überschritten und muss die KG aus eigener Tasche bezahlen. Ca. 120€ pro Verordnung. Kann er also nicht machen. Patient B ist zurecht sauer. Nur leider auf den falschen, nämlich seinen Arzt, weil er es ist, der es nicht verschreiben kann. Leider ein ganz perfides System. Die Krankenkasse ist raus, der Arzt hat den schwarzen Peter und muss zahlen. Mit Medikamenten ist es noch viel schlimmer. Aber ich glaube, Sie haben das Prinzip der Kassenmedizin verstanden. Das Budget ist klein, die Verteilung und Verantwortung darüber wird aber dem Arzt aufgehalst. Und es reicht nie. Die Krankenkasse zahlt Minimalbeträge, will der Arzt aber seinen Patienten helfen, zahlt er aus eigener Tasche. Mit sowas muss sich der Kassenarzt täglich beschäftigen. Und das waren nur 2 Prinzipien von tausenden von Regeln. Aus Sicht der Krankenkasse ein geniales System, mit kleinen Pauschalbeträgen ist ihre Leistung erbracht. Wenn das nicht reicht, ist eben der Arzt der Schuldige. Habe 2 Jahre gebraucht das wirklich zu verinnerlichen, wie perfide dieses System eigentlich ist. So einfach schiebt man als Krankenkasse den schwarzen Peter dem Arzt zu. Und so ist es mit vielen Behandlungen. Viele dieser Regelungen, sogar die meisten, haben nichts mit Gesundheit zutun, sondern es geht nur um Kosteneinsparungen. Glauben Sie bitte nicht, dass die Gesundheitspolitik Ihre Gesundheit im Auge hat. Der O-Ton eines Vorstandes einer der größten deutschen gesetzlichen Krankenkassen: „Wir wollen nicht, dass die Menschen gesund werden, dann werden sie nur älter und auf Dauer teurer für uns“. 

Hört sich leider alles sehr schlimm an und macht erstmal nicht fröhlich. Ist aber so, da darf man sich keine falschen Illusionen machen.

Aber zum Glück, werden Sie damit nicht allzu viel zutun haben. Dafür und genau aus diesen Gründen haben wir Pur-Life entwickelt. Echte Gesundheit, echte Menschen, authentische Informationen. Wir sind keine Behörde, keine Pharmahersteller, keine Krankenkasse. Wir sind unabhängig. Und genau deshalb können wir Ihnen diese Informationen unverblümt, unzensiert und wahrheitsgemäß wiedergeben. Und vor allem die Informationen, die Sie wirklich gesund machen. Vor über 8 Jahren, als Manuel die Idee zu Pur-Life hatte, war das in weiser Voraussicht, wie sich das Gesundheitssystem entwickeln wird. Jeden Tag lerne ich in der Kassenmedizin mehr zu schätzen, wie sehr vorausschauend und weise diese Idee von Manuel war. Wir dachten uns vor 8 Jahren, in diesem völlig verrückten Gesundheitssystem muss es doch wenigstens eine Anlaufstelle geben, für diejenigen die wirklich etwas für Ihre Gesundheit tun wollen. Gesundheit durch Wissen. Das ist unser Leitspruch. Bewegung und Ernährung sind die Grundpfeiler von Gesundheit. Wer das beachtet, die richtige Bewegung und die richtige Ernährung, glauben Sie mir, hat mit dieser Kassenmedizin wenig zu tun. Die Wissenschaft „Medizin“ ist toll. Sie bringt uns all die Informationen, die uns gesund machen und werden lassen. Die „Medizinpolitik“ ist Drohmedizin. Pur-Life, Bewegung, Ernährung, Regeneration, das ist „Frohmedizin“ (um in den Worten meines lieben Kollegen Dr. Strunz zu sprechen).


 
  1. https://www.kvno.de/downloads/honorar/fallwerte_fallzahlen_rlv2016-1.pdf)
  2. https://www.kvno.de/downloads/verordnungen/hm_rg2015.pdf
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

3 Kommentare
  • Dani vor 2 Monaten
    Leider ist das genau so! Traurig. Und wer in der Medizin arbeitet, der kann daran zerbrechen. Der tägliche Kampf mit dem Patienten, der das alles natürlich nicht verstehen kann und der glaubt, wir seien Unmenschen. Das Fängt bei der Verordnung von Arzeneimitteln an und hört bei der Zusammenarbeit auf. Es ist ein trauriges Kapitel, wenn ich sehe wie viele alte Menschen früher von der Brille bis zu den Zähnen alles im Schrank hatten, gezahlt von der Kasse und heute? Wir zahlen unsere Gesundheit selbst. Deshalb sollte man sich sehr genau überlegen, wo man sein kleines Geld ausgibt, in eine kommerzielle Maschinerie, oder in Menschen, die wirklich wissen was sie sagen und den wir vertrauen sollten.
  • Thomas vor 2 Jahren
    Gute Ärzte sorgen dafür, dass ihre Patienten gesund werden. Erfolgreiche Ärzte sorgen dafür, dass ihre Patienten wiederkommen.
  • Sylvia vor 2 Jahren
    Interessante Einblicke, die mir viele Fragen erklären. Meine Meinung schon seit langem: das Gesundheitssystem in Deutschland ist krank!

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