Langlebigkeit: Gene oder Lebensstil?

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 05. November 2017
  • Letzte Änderung: 07. November 2017
  • 11 Kommentare
  • 4 min Lesezeit

Eine aktuelle Studie aus „Nature“ untersuchte den Zusammenhang zwischen verschiedenen Genen und verschiedenen Lebensstilfaktoren und deren Einfluss auf die Lebenszeit. Untersucht wurde das gesamte Erbgut von über einer halben Million Menschen. Da diese Menschen noch am Leben sind, wurden die Daten mit der Lebensdauer der Eltern korreliert. Einige Gene konnten hierbei einen signifikanten Einfluss auf die Lebenserwartung zeigen. Einige Gene verkürzten die Lebenserwartung je nach Gen zwischen 0,4 und 0,9 Jahren. Heißt einige Genvarianten verkürzten das Leben um ein paar Monate.

(Bitte beachten: es handelt sich um eine groß angelegte Studie mit einer halben Million Teilnehmer und es wurde am Ende Durchschnittswerte ermittelt. Natürlich gibt es einzelne, seltenere genetische Erkrankungen, welche die Lebenserwartung erheblich reduzieren, z.B. die Mukoviszidose oder andere genetische komplexe Syndrome. Darum ging es in der Studie aber nicht. Es ging darum, den Einfluss des Genoms in einer großen Durchschnittspopulation auf deren Lebensdauer zu untersuchen).

Insgesamt war der Einfluss der Gene auf die Lebenserwartung mit ein paar Monaten also sehr gering. Viel, viel ausgeprägter ist der Einfluss von Lebensstilfaktoren auf die Lebenserwartung. Wir wissen z.B. dass Rauchen (1 Packung pro Tag) das Leben im Schnitt um 7 Jahre verkürzt. Genauso stark wird das Leben durch Nicht-Bewegung verkürzt. Anders herum, regelmäßige Bewegung verlängert das Leben um ca. 7 Jahre. Daher sagt man auch heutzutage gerne „Sitzen“ ist das „neue Rauchen“.

Auch Bildung verlängert das Leben. Laut dieser Studie im Schnitt um 11 Monate pro Bildungsjahr (was glauben SIE warum es zusätzlich zu Bewegungsprogrammen hier bei Pur-Life auch die regelmäßigen NEWS und Fortbildungsseminare gibt?? 😊, die PUR-Bildung ist, was das angeht ganz sicher besonders effektiv 😉)

Die Studie ist daher interessant, da wir das Ausmaß der an uns vererbten Gene auf die Lebenserwartung so noch nicht kannten. Sicher hätte man vom Gefühl her eher gedacht, der Einfluss der Gene wäre deutlich größer als ein paar Monate. Insgesamt aber ein sehr erfreuliches Ergebnis.

Wir sind unserem Schicksal also nicht hilflos ausgeliefert. Man kann sehr stark vieles selbst bestimmen. Die Gesundheit, aber auch die Lebenserwartung.

Und genau dafür machen wir von pur-life das alles hier. Man kann vieles selbst bestimmen. Heißt aber nicht, dass man das alleine tun muss. Dafür sind wir da. Und genau das ist auch (meine) ärztliche Aufgabe. Zu helfen, zu unterstützen, den Weg zu weisen. Die Verantwortung dafür was zu tun liegt aber bei jedem Einzelnen!!!

PS: Dass der Einfluss der Gene so gering ist und der Einfluss des Lebensstils so viel größer ist, liegt an der sogenannten „Epigenetik“. Seit den relativ neuen Erkenntnissen der Epigenetik wissen wir, dass die Regulation der Gene sehr stark von Umwelteinflüssen abhängig ist.

Ob ein gutes oder schlechtes Gen da ist, ist weniger relevant. Wichtiger ist, ob dieses Gen ein- oder ausgeschaltet wird. Und das ein- oder ausschalten können wir durch den Lebensstil und Umweltfaktoren beeinflussen.

Ich weiß, dass viele meiner Patienten diesen Artikel oder diese Tatsache nicht gerne hören mögen. Erlebe ich jeden Tag. Warum? Weil es für viele natürlich leichter und bequemer ist, zu sagen: „da sind die Gene schuld“. Leider bedeutet diese Erkenntnis nämlich auch, dass man den Lebensstil vielleicht ändern müsse, also die bisherige Komfortzone verlassen muss und oh je: sich vielleicht auch noch bewegen muss, damit die Gesundheit sich verbessert. Bequemer wäre es ja doch, die „Schuld“ den Genen zuzuschreiben, die Verantwortung an die Medizin abzugeben und eine Pille zur Genesung zu fordern. Ich darf das hier so unverblümt schreiben, weil ich weiß, dass Sie, meine lieben pur-life´ler anders sind, sonst wären Sie hier nicht angemeldet 😉

PS: Und bevor ich wieder böse Kommentare lesen muss: natürlich ist JEDEM klar, dass es viele Erkrankungen gibt, die sich nun mal nicht oder nur wenig von außen beeinflussen lassen. KEINER ist an seiner Erkrankung schuld! Egal welcher Krankheit! Das möchte ich hier nochmal ausdrücklich betonen! Ich bitte diese wissenschaftlichen Erkenntnisse der Epigenetik im positiven Sinne zu sehen, nämlich, dass wir sehr, sehr häufig nicht hilflos dem Schicksal ausgeliefert sind. Wir haben es in der Hand!!! Wir können was für unsere Gesundheit und ein langes Leben tun. Und die Wissenschaft zeigt uns, dass es funktioniert, dass es was bringt, dass wir mit etwas Bewegung, etwas Sport, ein paar Kursen unsere Gesundheit deutlich verbessern und das Leben verlängern können.

PS: Und nochmal weil es mir besonders wichtig ist: KEIN MENSCH ist Schuld an seiner Erkrankung. Nicht nur die Gene, auch das soziale Umfeld, die gesamte Umwelt, die Gesellschaft, die verschiedensten Situationen, der Beruf, die familiäre Situation und vieles, vieles mehr sind beteiligt am Gesundheitszustand und da kann man oft nichts dafür oder nichts dran ändern. Viel häufiger als man denkt, spielt der Zufall eine Rolle, wie wir von dem Nobelpreisträger, Psychologen und Statistiker Daniel Kahneman („Schnelles Denken, langsames Denken“, ) wissen.

Nur wenn alle Menschen daran zusammenarbeiten kann man einige Faktoren für die Gesundheit vielleicht ein bisschen verbessern (insbesondere die Arbeitssituationen, denn da verbringt man meisten den Großteil seiner nicht-schlafenden Lebenszeit; da sind vor allem Politik, Gesellschaft, Arbeitgeber, Behörden gefragt).

Quelle:

Nat Commun. 2017 Oct 13;8(1):910. doi: 10.1038/s41467-017-00934-5.Genome-wide meta-analysis associates HLA-DQA1/DRB1 and LPA and lifestyle factors with human longevity.

https://www.nature.com/articles/s41467-017-00934-5

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

11 Kommentare
  • Judith vor 1 Jahr
    Naja, meine Mutter ist für ihr Alter topfit. Wäre nicht so schlecht, wenn die Gene etwas bringen würden ...😉
  • Anja D. vor 1 Jahr
    Auf den Punkt gebracht!🙂
  • Ute W. vor 1 Jahr
    Vielen Dank für den informativen Beitrag, lieber Volker. Ich finde es eine sehr positive Nachricht, dass man zum größten Teil selbst dafür verantwortlich ist, ob und wie lange man gesund leben kann.
  • Corinna B. vor 1 Jahr
    Danke für den Beitrag: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmid.
  • Sabine Mania vor 1 Jahr
    Ein wirklich toller Beitrag, der wirklich jeden zum Nachdenken und "in sich gehen" bewegen sollte🙂 Vielen Dank dafür, lieber Volker!
  • Sandra T. vor 1 Jahr
    Hallo Volker, ein sehr guter und interessanter Artikel der mich doch beruhigt. Wenn ich nämlich von den ganzen Erkrankungen in meiner Familie ausgehe, ist es doch beruhigend zu wissen dass ich hier richtig bin und mit einer gewissen Lebensweise gegensteuern kann. Kann es nur immer wieder sagen: Bin so froh das ich hier gelandet bin und absolut begeistert von Euch allen. Tolle Motivation, viel Spaß, viele wertvolle Tipps.... besser kann es nicht sein.🙂 Liebe Grüße Sandra
  • Ingo vor 1 Jahr
    Interessant in diesem Zusammenhang ist das Buch von Galina Schatalova - " Wir fressen uns zu Tode". Es geht hier nicht nur um das "Fressen", sondern es geht auch um Vorsorge für den eigenen Körper. Wenn wir Vorsorge betreiben, dann hilft uns unser Körper. Der Körper kann es. Vorsorge ist das A und O. 2016 gab es postum dafür den Nonelpreis.
  • Marina vor 1 Jahr
    Danke lieber Volker. Ich finde es tröstlich und ermutigend dass wir selbst einen Teil dazu beitragen können wie es um uns und unser Befinden bestellt ist. Es ist ein gutes Gefühl nicht auf Verein und Verderb ausgeliefert zu sein, und selbst wenn dann doch eine üble Krankheit da ist durch dies Wissen und diese Infos noch was tun zu können. Einfach um das Befinden auch dann noch erträglicher zu machen oder vlt doch noch eine Wende zu erwirken. Pur Life hat für mich als Untertitel "So helfe ich mir selbst" ?
  • Tanja Markert vor 1 Jahr
    Super interessanter Artikel...vielen Dank?
  • Sabine E. vor 1 Jahr
    Gute,erfreuliche Nachrichten. ...vielen Dank!?
  • Gabriele S. vor 1 Jahr
    Danke, Volker erfreuliche Nachrichten für uns Sportler ??

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