Lipödem

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 05. Februar 2018
  • Letzte Änderung: 06. November 2018
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Beim Lipödem handelt es sich um eine atypische Anlagerung von Unterhautfettgewebe an Stellen, die sonst nicht typisch für Fetteinlagerungen sind. Häufig sind die Beine, manchmal aber auch Arme und Nacken betroffen. Das Fettgewebe lagert sich häufig an den seitlichen Hüften und Oberschenkeln ab (oft auch „Reithosensyndrom“ genannt). Eine Fettansammlung im Unterhautgewebe ist ein normales Prinzip des Körpers, um Energiereserven für schlechte Zeiten anzusammeln. Kommt diese Ansammlung aber an untypischen Stellen vor, welche häufig auch noch Beschwerden verursachen, dann spricht man vom Lipödem. Das Lipödem ist meistens symmetrisch, spart die Füße aus und kann auch Schmerzen und häufig Hämatome verursachen.


Int J Womens Health. 2016; 8: 389–395. Published online 2016 Aug 11. doi:  10.2147/IJWH.S106227

An diesen untypischen Stellen ist oft eine Gewichtsabnahme weniger erfolgversprechend als an den typischen Stellen wie z.B. am Bauch. Daher reicht es beim Lipödem oft nicht aus, einfach zu sagen, ja dann muss man halt „abnehmen“. 
Zum Lipödem kommt häufig zudem noch eine vermehrte Wasseransammlung und Ansammlung von Lymphe dazu. Es ist aber primär kein Lymphödem, heißt der Lymphstau ist eine Folge und nicht die Ursache der Erkrankung. Die Unterscheidung sollte aber durch eine ärztliche Untersuchung durch einen Gefäß-/Lymphspezialisten erfolgen.

Das Lipödem wird in 3 Stadien eingeteilt(1): 

Stadium  Charakteristika
1 Glatte Hautoberfläche mit gleichmäßig verdickter, homogen imponierender Subkutis
2 Unebene, überwiegend wellenartige Hautoberfläche, knotenartige Strukturen im verdickten Subkutanbereich 
3 Ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen (Wammenbildung)

 

Was kann man nun gegen das Lipödem tun?

Die Medizin gibt folgende Leitlinien für das Lipödem vor:

  1. Physikalische Therapie: Bewegung, Sport, Kompressionsbehandlung, Hautpflege
  2. Liposuction/Chirurgie , Diät, Psychotherapie wenn die physikalischen Maßnahmen nicht ausreichen

Zur Ernährung geben die offiziellen Leitlinien folgendes vor: 

„Eine lipödemspezifische Diät gibt es nicht. Da hohe Insulinspiegel die Lipogenese fördern und über die Insulinresistenz auch die Ödembildung verstärken, scheint eine Ernährung sinnvoll, bei der Blutzucker- und Insulinspitzen vermieden und ausreichende Pausen zwischen den
Mahlzeiten eingehalten werden (isoglykämische Ernährung). 
Es sollte dabei beachtet werden, dass die Gewichtsreduktion nicht zu Lasten der Muskelmasse, sondern der Fettmasse erfolgt (Larsen 2010, Ebbeling 2012, Faerber 2014).„

Eine Reduktion der Insulinresistenz ist genau das, was durch das Leberfasten (Stoffwechselkur) bewirkt werden kann. Die Sache mit dem Muskelerhalt und Eiweiß ist den regelmäßigen Lesern der NEWS sicherlich eh schon bekannt. Muskeln verbrennen Fett. Und Muskeln kann man nur aufbauen, wenn entsprechend Eiweiß geliefert wird. Also Krafttraining und Eiweiß sind hier die wichtigen Faktoren um eine anhaltende Fettverbrennung zu erreichen.

Bezüglich der körperlichen Aktivität steht in den Leitlinien folgendes:

„Unter den sportlichen Aktivitäten erscheinen solche im Wasser als besonders effektiv (Schwimmen, Aqua-Jogging, Aqua-Aerobic, Aqua-Cycling), da durch den Auftrieb die Gelenke entlastet, durch den Wasserdruck eine Lymphdrainage bewirkt und durch Bewegung gegen den Wasserwiderstand Kalorien verbraucht werden. „

Wer gerade kein Schwimmbecken zu Hand hat: eine gelenkschonende und besonders die Lymphdrainge fördernde Bewegung ist das Schwingen auf dem Mini-Trampolin (Gummiseil, nicht Stahlfeder). Daher eignen sich die Bounce Kurse besonders für die Behandlung des Lipödems. Wir haben auch spezielle Kurse für Einsteiger mit Ödemen.

Aber auch die Kraftkurse, Mobilisationskurse und die Faszienkurse sind effektiv, um das Bindegewebe zu stärken, Muskeln aufzubauen und die Lymphdrainage zu fördern.

Wie in dieser Studie (5) aufgezeigt wird, ist es durchaus sinnvoll und erfolgversprechend, ein Selbstmanagement des Lipödems durchzuführen. Dazu werden in dieser Studie empfohlen: „healthy eating, low-impact exercise, compression garments, self-lymphatic drainage, and counselling.“ Also, gesunde Ernährung, wenig belastendes Training (im Fettverbrennungsbereich), Kompressionsbehandlung/Kompressionsstrümpfe, Eigen-Lymphdrainage (anm.: Schwingen auf dem Bellicon, Faszienkurse) und Beratungen.

 

Zusammengefasst, unsere Empfehlungen zur Behandlung des Lipödems:

  • Reichlich Bewegung
  • Bounce/Mini-Trampolin Kurse
  • Faszienkurse
  • Gesunde Ernährung (in allen Facetten, vor allem ausreichend Eiweiß (Eiweißmangel macht Ödeme, genug Eiweiß=weniger Ödeme), Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, auf ausreichende Trinkmenge achten
  • Als Start oder kurze Intervention: 2 Wochen Leberfasten um die Insulinresistenz zu verringern

 

Quellen:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/037-012l_S1_Lipoedem_2016-01.pdf

J Dtsch Dermatol Ges. 2017 Jul;15(7):758-767. doi: 10.1111/ddg.13036.S1 guidelines: Lipedema.Reich-Schupke S1, Schmeller W2, Brauer WJ3, Cornely ME4, Faerber G5, Ludwig M6, Lulay G7, Miller A8, Rapprich S9, Richter DF10, Schacht V11, Schrader K12, Stücker M13, Ure C14.

Phlebology. 2017 Apr;32(3):152-159. doi: 10.1177/0268355516639421. Epub 2016 Jul 9.First Dutch guidelines on lipedema using the international classification of functioning, disability and health.Halk AB1, Damstra RJ2.

Int J Womens Health. 2016; 8: 389–395. Published online 2016 Aug 11. doi:  10.2147/IJWH.S106227PMCID: PMC4986968 Lipedema: diagnostic and management challenges

Br J Community Nurs. 2015 Oct;Suppl Chronic:S14, S16-9. doi: 10.12968/bjcn.2015.20.Sup10.S14.Living with lipoedema: reviewing different self-management techniques. Fetzer A1, Wise C2.
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

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