Logik

Das Thema „Logik“ hatten wir in der 10. Klasse in Mathematik. Fand ich super. Sehr spannendes Fach. Logik gehört zum Fachgebiet Mathematik, aber auch zur Philosophie und vor allem zu jedem wissenschaftlichen Arbeiten. Wird aber leider viel zu selten angewandt.

Die Logik kann man in vielen komplizierten Formeln ausdrücken. Es werden dabei Sachverhalte in mathematische Formeln eingebettet. Das erste, was man in der Logik lernt, ist die einfache Gleichung:

 A → B  : kurz, wenn A, dann B. Bedeutet, man nimmt ein Ereignis A, dann folgt daraus ein Ereignis B

Beispiel: A: es regnet; B: der Erdboden ist nass. In die Gleichung eingefügt: wenn es A regnet, dann folgt B der Erdboden wird nass.

Die Logik besagt in diesem Fall „wenn A, dann B“: wenn es regnet, wird der Erdboden nass.

Das wichtigste in der Logik und an der Gleichung A→B ist aber, dass man diese Gleichung nicht einfach umdrehen darf. Falsch ist also, aus dieser Gleichung zu schlussfolgern: B→A.

Beispiel: Wenn es regnet, wird der Boden nass (A → B ). Falsch ist aber daraus zu schlussfolgern: wenn der Boden nass ist, regnet es (B→A), (der Boden kann ja auch durch eine Überschwemmung ohne Regen nass geworden sein, oder durch einen Gartenschlauch, oder, oder, oder).

Daher gilt in der Logik: A→B. Aber daraus ergibt sich aber noch nicht die Formel B→A.

Soviel zu einer kleinen Einführung in das spannende Fach Logik. Dazu gibt es ganz viele dicke Bücher. Es lohnt sich, wer Interesse hat, sich da mal einzulesen. Aber dieser einfache Sachverhalt von oben, soll uns schonmal reichen. Wer das verstanden hat, ist im Vergleich zu den meisten Menschen schon ganz weit vorne. Denn dieses erste Prinzip der Logik kennen die meisten nicht. Gerade auch viele Ärzte und andere Gesundheitsexperten kennen das nicht. Traurig dabei, wenn es um medizinische Sachverhalte geht. Und das ist das eigentliche Thema dieses Artikels. Denn gerade in der Medizin werden gerne Logikfehler gemacht.

Zum Beispiel beim Eiweiß und den Nieren:

Eiweiß wird im Körper zu Harnstoff abgebaut. Harnstoff ist also das Abfallprodukt von Eiweiß. Und der Abfall muss wieder weg. Das macht unsere Niere. Sie filtert den Harnstoff aus dem Blut aus und scheidet diesen mit dem Urin aus. Das macht die Niere auch sehr gut und sehr zuverlässig. Harnstoff wird NUR durch die Niere ausgeschieden. Die Niere säubert also unser Blut von dem Harnstoff. Funktioniert die Niere aus irgendwelchen Gründen nicht, dann bleibt der Harnstoff im Blut. Und bleibt und bleibt. Der Harnstoff-Wert steigt im Blut immer weiter an. Kann man gut messen. Erhöhter Harnstoff im Blut ist also ein Zeichen für eine schlechte Nierenfunktion. Aus welchen Gründen auch immer die Niere nicht mehr gut funktioniert. Häufigste Ursache in Deutschland für eine schlechte Nierenfunktion ist der Zucker im Blut (Diabetes mellitus). Zucker schädigt die Nieren. Weiß jeder Arzt. Aber auch andere Dinge können die Niere schädigen, wie z. B. Bluthochdruck, Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus), Infektionen (Viren, z. B. Hantavirus), Medikamente oder Tumoren. Da ausschließlich die Niere für die Entfernung des Harnstoffes verantwortlich ist, ist der Harnstoff-Wert im Blut also ein guter Indikator für die Nierenfunktion. Das ist das, was jeder in der Medizin, in der Physiologie lernt. Ist auch richtig so. Das war´s auch schon was man dazu weiß und was Tatsache ist. Jetzt kommt die Logik. Oder eher der Logikfehler von vielen: was wir lernen und was richtig ist: eine schlechte Nierenfunktion führt zu einem Anstieg des Harnstoffes im Blut. Korrekt. Falsch nun der Logikfehler: ein Anstieg des Harnstoffes, würde zu einer schlechteren Nierenfunktion führen. Falsch. Harnstoff oder die Vorstufe Eiweiß schädigt nicht die Nieren. In unsere Logikformel eingebaut:

Richtig ist: A →B. A die Nieren sind geschädigt, B der Harnstoff Wert steigt an. Also wenn A die Nieren geschädigt sind, dann steigt B der Harnstoff Wert im Blut. Wenn A dann B. Daraus darf man aber nicht einfach wenn B dann A, also B→A folgern. Also falsch ist, wenn B dann A: wenn B der Harnstoff Wert ansteigt, dann werden A die Nieren geschädigt.

Zurück zu unserem Eiweiß: sind die Nieren geschädigt, können sie das Abbauprodukt vom Eiweiß nicht mehr ausscheiden. Völlig falsch ist aber zu sagen, Eiweiß würde die Nieren schädigen. Das ist der Logikfehler den ich meine und der ständig und andauernd gemacht wird. Ich habe mich bisher immer gefragt, woher diese Falschaussagen kommen. Dafür gibt es keinen einzigen wissenschaftlichen Hinweis, keine Studie und keine logische physiologische oder biochemische Erklärung. Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass es einfach und alleine auf diesem sehr, sehr häufigen Logikfehler beruht, den viele einfach immer wieder machen, nämlich aus A→B, einfach ein B→A zu machen.

Gleiches Prinzip beim Kreatin und den Nieren:

Das Kreatinphosphat ist ein Energiespeicher im Muskel. Etwas sehr Positives. Gibt dem Muskel Power. Daher nehmen viele Sportler auch Kreatin ein, um die Muskelkraft zu erhöhen und dem Muskel mehr Energie zu geben. Nichts Falsches daran. Nun wird aber Kreatinphosphat zu Kreatinin abgebaut. Wieder ein Abfallprodukt. Und auch das Kreatinin wird nur durch die Niere ausgeschieden. Ähnlich wie oben beim Harnstoff. Ist die Niere kaputt, wird das Kreatinin nicht mehr ausgeschieden. Der Wert im Blut steigt an. Daher hat sich der Kreatinin-Wert im Blut auch als sehr guter Marker für die Nierenfunktion etabliert. Weiß jeder Arzt, steigt das Kreatinin im Blut an, spricht das für eine schlechtere Nierenfunktion. Auch hier wieder zu unserer Logik: wenn A die Nierenfunktion schlecht ist, steigt B das Kreatinin im Blut an. Wieder völlig unlogisch und vollkommen falsch: der Umkehrschluss der häufig gemacht wird: Kreatinin würde die Nieren schädigen. B→A: wenn B das Kreatinin ansteigt würde A die Niere davon geschädigt. Natürlich vollkommener Unfug. Zum einen völlig unlogisch und auch aus physiologischer Sicht gibt es keinerlei Gründe dafür. Dazu gibt es auch viele Studien, die eine hohe Kreatinin-Einnahme bei Sportlern untersucht haben und keine negativen Auswirkungen auf die Nieren gefunden haben. Warum auch? Kreatin an sich schädigt die Nieren in keinster Weise. Die teuren Studien hätte man sich sparen können. Teure Studien nur um zu beweisen, dass dieser Logikfehler nur ein Denkfehler ist und bleibt.

Zusammenfassung:

-Logik ist ein spannendes Fach und kann einem häufig weiterhelfen. Aber eben nur richtig angewendet. Aus „wenn A dann B“ darf man nicht einfach ein „wenn B dann A“ machen. Wer das verstanden hat, ist im Vergleich zu 90 % der Mitbevölkerung schon ganz weit vorne. Denn das wird ständig, vor allem in den Medien, gerne einfach gemacht und so hingestellt.

- Die Aussagen Eiweiß oder Kreatin würden die Nieren schädigen sind falsch. Vollkommen frei erfunden, oder wie wir auch jetzt sagen können, ein typischer Logikfehler. Wurde also immer wieder, auch sehr häufig von Ärzten, sicherlich nicht absichtlich, falsch behauptet, aber eben unbewusst durch mangelnde Achtsamkeit auf einfache logische Prinzipien.

-Sorry für die langen Erklärungen. Eigentlich ging es ja nur darum: Eiweiß und Kreatin sind sicher nicht schädlich für die Nieren. Aber jetzt wissen wir woher die Falschaussagen kommen und wissen eben mehr als 90 % der „Experten“ in Deutschland und auch warum. Ich bin mir sicher, dass diese Aussagen nicht beabsichtigt waren. Einfach nur unüberlegt. Aber die Menschen machen eben immer wieder gerne diesen Fehler: aus A→B einfach ein B→A.

 

Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

17 Kommentare
  • Arnold M. vor 3 Wochen
    Herzlichen Dank
  • Harald Sipos vor 1 Jahr
    Dr. Volker: "...Heutzutage geht man aber eher dazu über, eine erhöhte Harnsäure einem zu hohen Fruktose-Verzehr zuzuschreiben, als zuviel Fleisch." Enthält unverarbeitetes Fleisch Fructose?? VG Harald
  • Dani vor 1 Jahr
    So herzlichen Dank, jetzt kann ich das endlich allen mal erklären, die mir immer sagen mein Eiweißgenuss sei viel zu hoch ich schädige mich!
  • Lydia G. vor 1 Jahr
    Okay, habe verstanden, Eiweiß und kreatin schädigen nicht die Nieren. Aber wenn die Niere die Abfall Produkte nicht ausschwemmen kann, wird es ja auch nicht Folgen frei bleiben. Eine geschädigte Niere schafft eben weniger und das Zuviel an Abfallprodukten verbleibt im Körper und dann??? Vielleicht wäre ein Hinweis hierzu auch gut.
  • Danke für die idiotensichere Erklärung, ich habe es begriffen!
  • Dani vor 1 Jahr
    Toller Artikel und super einfach für jedermann beschrieben. Seit ich wirklich viel Eiweiss zu mir nehme habe ich deutlich weniger Probleme mit meinem Darm, meinem Körper und meinen Allergien. Während um mich rum alle am niesen sind wurde ich gefragt was ich denn Einnehmen würde. Nix. Ich schwöre auf Eiweiss. Ob es auch bei Allergien hilft, keine Ahnung, ich hab jedenfalls keine und fühle mich putz und munter!
  • Sylvia vor 1 Jahr
    Ich kann Dir aus Erfahrung nur kopfnickend zustimmen. Eiweiß schadet den Nieren (auch bei bestehender Niereninsuffizienz) NICHT, ganz im Gegenteil. Sehr zum Staunen des Nehprologen haben sich in den letzten 18 Monaten die Werte verbessert. Leicht aber sie haben sich verbessert. Was habe ich geändert? Kohlehydrate runter, Eiweiß (entgegen der Ansage des Nephrologen deutlich rauf )und ganz gezielt auf "gute" Fette geachtet. . Dann kamen nach und nach die Mikronährstoffe ran. (und da bin ich sicher noch nicht mit fertig). Dazu regelmässige Bewegung. Und gesundheitlich geht es hier nachweislich deutllich aufwärts. Macht Spaß die Ärzte zu überraschen. Euch und Dir Volker ein ganz großes Danke, denn ohne Eure gute nachvollziehbaren Infos und Deine Ansage zum Thema Eiweiß und Nieren schon vor einem Jahr, hätte ich es sicher NICHT gewagt und mich nach den Terminen beim Nephrologen nur leise bedauert nnd auf die Dialyse gewartet. Nun kann die warten.
  • Anja D. vor 1 Jahr
    Aha... Siehste wohl, wieder was gelernt! Sehr schön.🙂
  • marianne vor 1 Jahr
    Danke, gut erklärt....einfach logisch.
  • Elke H. vor 1 Jahr
    Immer gut und verständlich rübergebracht -Danke Dr. Volker ?
  • Susanne vor 1 Jahr
    :)
  • Sylvia vor 1 Jahr
    Du hast das vor einiger Zeit schon einmal in einem Videobeitrag sehr deutlich gemacht. Für mich, nachdem ich mir die Studien heraus gesucht habe ein Grund, die Aussagen meines Nephrologen von 2016 zu überdenken und UMZUDENKEN. Da laut dem Nephrologen die Entwicklung sowieso NICHT aufzuhalten ist und die Krankheit NICHT REVERSIBEL ist, was hatte ich zu verlieren? Eigentlich nichts und die Studien sprachen eine deutliche Sprache Eiweiß ist NICHT nephrotoxisch. Meine persönliche Erfahrung nachdem ich das nun 18 Monate ganz bewusst verändert habe und deutlich mehr als die mir "zugeteilten" 80 Gramm Eiweiss zu mir genommen habe ist nach dem letzten Termin deutlich positiv. Der neue Nephrologe in der Praxis nahm sich viel Zeit und war sehr erstaunt, da sich meine Nierenfunktion in den 18 Monaten nicht nur nicht verschlimmert hat, sondern sogar leicht verbessert hat. Ich persönlich kann es nachvollziehen, denn der Körper kann nur notwendige Reparaturen ausführen, wen er die notwendigen Baustoffe dazu bekommt. Ohne genug Baustoff (in diesem Falle das Eiweiß) ist vielleicht die Erhaltung möglich, ABER sicher NICHT die Reparatur. Da sich das "alte" Wissen aber in vielen Praxen rigoros hält :/ Nach langem Gespräch riet mir der Arzt dazu, meinen Weg weiter zu gehen. Ausserdem hat er meinem Hausarzt eine weitere Medikamentenrezuzierung geraten. (Was dank der Nebenwirkungen einiger Mittel für mich ein weiterer Fortschritt ist) Und wir sehen uns zum Kontrolltermin erst in einem Jahr wieder. Und ich offe es geht dann noch besser mit den Nieren. Die jetzt auch den Baustoff kriegen, den sie brauchen. Ich staune immer noch. Mein Hausarzt begrüßt die Entwicklung(er gehört, aber auch zu denen, die auch "ungewöhnliche" Wege beschreiten und die Erfolge oder Misserfolge durch entsprechende Untersuchungen dokumentieren) und ich freu mich jetzt schon auf den Termin beim Kardiologen.
  • Annette vor 1 Jahr
    Sehr interessanter und nachdenkenswerter Beitrag. Trotzdem komme ich noch nicht ganz mit. Wird Harnstoff und Kreatinin auf Grund geschädigter Nieren nicht mehr ausgeschieden, reichert es sich im Blut an. Wenn ich das richtig verstehe, ist das nicht gesund. Eine Möglichkeit, diese Werte zu senken, wäre für mich, weniger Ausgangsstoffe für diese Abbauprodukte zu mir zu nehmen. - Oder irgendwann Dialyse. Das heißt zwar, dass nicht das Eiweiß an sich schädlich ist, jedoch das Abbauprodukt. Oder habe ich jetzt einen Knoten im Hirn? LG und danke für die viele Mühe, die Du Dir mit uns gibst.
  • Anke vor 1 Jahr
    Danke😉 Hier lernt man immer so viel dazu😉
  • Sabine vor 1 Jahr
    Vielen Dank Dr. Volker, für den sehr unterhaltsam gestalteten Beweis, daß Eiweiß die Nieren nicht schädigt! Mußte beim lesen, leicht schmunzeln, weil auch ich die Logik in Mathe früher geliebt habe und mir so dieses "Gleichnis" sehr entgegen kam! Freue mich auf weitere, spannende Artikel!
  • Hallo Anke. Er meinte sicherlich die Harnsäure. Harnsäure ist das Abbauprodukt vom Purin. Purin ist in Fleisch enthalten (aber auch im Spargel u.v.m.), nicht aber automatisch in jedem Eiweiß. Quark oder Molke-Eiweiß enthält kein Purin und kann bedenkenlos verzehrt werden. Heutzutage geht man aber eher dazu über, eine erhöhte Harnsäure einem zu hohen Fruktose-Verzehr zuzuschreiben, als zuviel Fleisch. Viele Grüße, Volker
  • Anke vor 1 Jahr
    Dazu habe ich eine Frage.. mein Arzt meinte mein letzten Mal ich solle nicht so viel Produkte essen, die viel Purin haben, um den Harnstoffspiegel zu senken, ist das nun auch nicht richtig ? Das sind ja genau die Nahrungsmittel, die viel Eiweiß haben. Von einee Fehlfunktion der Niere hat er nicht gesprochen, nur von falscher Ernährung (zu viel Fleisch/Eiweiß)

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