Warum Omega 3 Fettsäuren gegen so viele Erkrankungen helfen

Jeder Arzt kennt die Cyclooxygenase. Ein Enzym, welches aus der Arachidonsäure Entzündungsmediatoren herstellt. Eines der beliebtesten Medikamente sind daher Hemmer der Cyclooxygenase. Sogenannte COX-Hemmer. Helfen gegen vieles. Kennen wir alle. Z.B. Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin®), Ibuprofen, Diclofenac (Voltaren®) und viele weitere. Diese Medikamente fasst man unter dem Begriff NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) zusammen. Machen alle dasselbe. Blockieren die Cyclooxygenase und verhindern dadurch die Bildung von Entzündungs-, Schmerz- und Gerinnungsmediatoren. Also gute Medikamente gegen viele Erkrankungen. Schmerzen, Gelenkschmerzen, Entzündungen, Muskel-Skelettschmerzen, Arthrose, Rheuma u.v.m.

Diese Entzündungsmediatoren werden von der COX aus Arachidonsäure hergestellt. Eine Omega 6 Fettsäure. Chronische Entzündung im Körper wird für viele Erkrankungen verantwortlich gemacht, insbesondere Krebserkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Arthrose, Schmerzen, Depression und viele weitere. Deswegen ist Aspirin ® auch als Allheilmittel bekannt. Leider Blockieren die COX-Hemmer die COX komplett. Für alles. Daher werden auch gute Mediatoren nicht mehr gebildet, z.B. solche die eine Gefäßerweiterung machen. Verschlechtern also die Mikrozirkulation. Vor allem auch die Nierendurchblutung. Daher sind diese oft schlecht für die Nieren. Können auf Dauer die Niere schwer schädigen. Und Magenblutungen verursachen, da sie auch die Bildung der Magenschutzschicht hemmen. Bis hin zu Magengeschwüren mit teilweise lebensbedrohlichen Blutungen.

Die COX macht aber auch etwas anderes. Sie wandelt Omega 3 Fettsäuren um. Aber in bessere Mediatoren als die Omega 6. Die COX kann also auch Gutes tun. Wir können das in dem Schema einmal als Übersicht veranschaulichen:

 

 

Die COX ist also nur dann schlecht, wenn viel Omega 6 Fettsäuren vorhanden sind. Dann entsteht Entzündung und Gefäßverengung. Wenn aber viel Omega 3 vorhanden ist, dann ist die COX gut. Die COX kann also mal gut, mal schlecht sein. Omega 6 und Omega 3 konkurrieren um die COX. Wenn mehr Omega 6 vorhanden ist, gibt es mehr schlechte Mediatoren/Entzündung. Ist mehr Omega 3 vorhanden, werden mehr gute Mediatoren, die der Gesundheit förderlich sind, gebildet.

Ob also im Körper Entzündung und Gefäßverengung und erhöhte Blutgerinnung oder genau das Gegenteil entsteht, hängt davon ab, wieviel Omega 6 und Omega 3 Fettsäuren im Blut vorhanden sind.

Ob gesund oder krank, ob Entzündung oder Gesundheit, ob Gefäßverengung oder bessere Durchblutung, ob Blutgerinnsel oder flüssiges Blut entsteht, hängt vom Verhältnis Omega 6 zu Omega 3 ab.

Ein Grund, warum Eskimos weniger Herzinfarkt und Krebserkrankungen haben: Sie essen viel Kaltwasserfisch mit viel Omega 3. Warum wir heutzutage zunehmend diese Erkrankungen haben: unsere Ernährung ist zunehmend Omega-6-lastig. Füttert man Weidetiere z.B. mit Mais, ist ihr Omega 6 Anteil deutlich erhöht. Werden sie artgerecht gehalten, also auf der Weide und fressen Gras, ist ihr Omega 3 Anteil höher. Durch die Massentierhaltung ist in unserer Milch und unserem Fleisch heutzutage mehr Omega 6 als Omega 3. Heißt mehr Entzündung. Viel schlechtes Fett und Kohlenydrate heißt mehr Entzündung. Heißt all die Erkrankungen, die mit Entzündung zutun haben. Daher zeigen viele Studien, dass durch Omega 3 Gabe, Erkrankungen wie Asthma/Allergien, Depression, Krebserkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, und viele mehr verringert werden können.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel Biochemie und war einigermaßen verständlich. Aber die Biochemie ist wichtig. Sie ist doch die Grundlage unseres Körpers und beschreibt wie er funktioniert. Und mit ein wenig Biochemie kann man sofort verstehen, warum die ein oder anderen Nährstoffe so extreme Wirkungen auf unsere Gesundheit haben. Und man versteht sofort, warum die Eskimos weniger Herzinfarkte haben (oder früher hatten, als sie sich noch natürlich ernährt haben). Ich freue mich, dass Sie den Artikel zu Ende gelesen haben. Denn jetzt wissen Sie schon mehr als viele Ärzte und vor allem auch viele Professoren, die Ihnen ja lieber empfehlen: Nehmen Sie NSAR. Dabei ist Omega 3 mindestens genauso effektiv und sicher förderlicher für die Gesundheit. Und vor allem wirkt es prophylaktisch. Man bekommt gar nicht erst all die schlimmen Erkrankungen, die man dann mit starken, nebenwirkungsreichen Medikamenten symptomatisch behandelt.

Lösung: mehr Omega 3 essen! Kaltwasserfisch, Rapsöl, Leinöl, und/oder Omega 3 Fischölkapseln / Omega 3 Öl regelmäßig mindestens 1 Gramm Omega 3 pro Tag. Bei Erkrankungen oder akuten Entzündungen ruhig auch mehr, 2-4 Gramm pro Tag. Wichtig: immer auf hohen Anteil an EPA und DHA achten! Omega 3 ist nicht gleich Omega 3. Gute Qualität ist auch hierbei wichtig!

 

PS: Wenn man es genau wissen will: man kann seinen persönlichen Omega 3 Index im Blut untersuchen lassen. Es wird der Omega 3 Gehalt in den Erythrozyten als prozentualer Anteil an den dominierenden Fettsäuren bestimmt. Der Wert sollte mindestens über 8% sein. Besser über 10%. (Werte unter 4% werden mit einem 10fach erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod assoziiert). Der Omega 3 Index kann durch den Verzehr von Kaltwasserfischen und Fischölkapseln erhöht werden. Die alleinige Supplementierung mit pflanzlicher Alpha-Linolensäure ist nicht ausreichend, da die endogene Umwandlung von EPA+DHA nur zu 9,5% (Mann) bzw. 30% (Frau) stattfindet. (2)

 
  1. Eur J Clin Nutr. 2013 Dec;67(12):1234-42. doi: 10.1038/ejcn.2013.197. Epub 2013 Oct 16.Omega-3 fatty acids: a review of the effects on adiponectin and leptin and potential implications for obesity management. Gray B1, Steyn F, Davies PS, Vitetta L.
  2. Medizinische Laboratorien Düsseldorf
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

3 Kommentare
  • Angelika H. vor 1 Monat
    Danke Dr. Volker für diesen tollen Artikel! Habe mich am Daumengrundgelenk verletzt und bekam gestern ein NSAR-Medikament verordnet. Nach dem Lesen der Nebenwirkungen hab ichs in den Müll geworfen, schade um die 5 Euros...... und dann erinnerte ich mich, daß ihr mal was über Omega 3 geschrieben habt und der entzündungshemmenden Wirkung ...... gestern bestellt, heute angekommen. Nochmal herzlichen Dank!
  • Katrin vor 1 Jahr
    Vielen Dank für diesen hochinteressanten Artikel! Habe jetzt verstanden, wie das mit der Konkurrenz zwischen Omega 6 und Omega 3 ist. Ich bin Vegetarierin, nehme nahezu täglich Leinöl und Pecannüsse zu mir, frage mich aber nach dem Artikel, ob ich genug EPA und DHA zu mir nehme bzw. bilde. Was kann ich noch tun?
  • Thomas vor 2 Jahren
    Sehr gut erklärt, danke! Ich finde eine pauschale Empfehlung von Rapsöl als Omega3-Quelle allerdings problematisch, da für konventionell hergestelltes Rapsöl gentechnisch veränderte Sorten verwendet werden und als Folge des industriellen Raffinierungsprozesses problematische Transfette entstehen. In unserem Zeitalter des "Clean Eating" ist konventionell hergestelltes Rapsöl also eher ein minderwertiges Industrieprodukt, als ein empfehlenswertes Nahrungsmittel. Wenn überhaupt Rapsöl, dann kaltgepresstes aus nachvollziehbar organischem Anbau. Ich bevorzuge als Omega-Quelle allerdings gutes Hanf- und Leinöl von traditionellen Bio-Herstellern.

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