Training bei Herzschwäche (=Herzinsuffizienz)

  • Von Dr. Volker Zitzmann
  • 01. November 2017
  • Letzte Änderung: 02. November 2017
  • 6 Kommentare
  • 6 min Lesezeit

Von einer Herzinsuffizienz(=Herzschwäche) spricht man, wenn der Herzmuskel nicht mehr über die volle Kraft verfügt, um ausreichend Blut in den Körperkreislauf zu pumpen.

Das kann aufgrund verschiedener Erkrankungen auftreten, z.B. nach einem Herzinfarkt, wenn große Teile des Muskels zerstört wurden oder nach einer Herzmuskelentzündung oder anderen Ursachen (Kardiomyopathie, etc). Das kann sich dann z.B. in schneller Erschöpfung, Ermüdung, geringer Leistungsfähigkeit, Atemnot bei Belastung etc. ausdrücken. In schweren Fällen kann sich das Blut in der Lunge stauen und zu einem Lungenödem führen. Auch kann sich das Blut in den Beinen stauen und dann zu beidseitigen Knöchelödemen führen.

Die Diagnose muss immer vom Arzt gestellt werden und es gibt auch spezielle Therapien die dann sinnvollerweise eingesetzt werden. Unter anderem Medikamente die die Herzkraft erhöhen, wie Digitalis oder Medikamente die das Blutvolumen verringern (Diuretika=Wassertabletten) um so die Herzbelastung zu verringern sowie Blutdrucksenker (z.B. ACE-Hemmer, Beta-Blocker) aber seltener auch andere Maßnahmen wie Herzschrittmacher u.a..

Hatte man noch vor 30 Jahren körperliche Schonung empfohlen, weiß man durch viele Studien seit längerem, dass man durch ein körperliches Training die Herzkraft wieder verbessern und vor allem Symptome lindern sowie die Lebensqualität verbessern kann. Ein wichtiger Faktor vom Training ist vor allem den Verlust der Muskelmasse aufzuhalten, da dies bei der Herzinsuffizienz einen großen Anteil an den Beschwerden und der Leistungseinschränkung sowie dem körperlichen Verfall darstellt.

Daher gehört heutzutage körperliches Training zur Therapie unbedingt dazu. Es gilt heutzutage als Standardtherapie, wird aber leider noch viel zu selten angewandt (1).

Die Herzinsuffizienz wird in 4 Stadien eingeteilt. Diese werden nach NYHA (New York Heart Association) benannt:

NYHA I: keine Einschränkung der Belastbarkeit, keine Symptome

NYHA II: leichte Einschränkung der Belastbarkeit, keine Symptome in Ruhe, Symptome bei starker Belastung

NYHA III: starke Einschränkung der Belastbarkeit, keine Symptome in Ruhe, Symptome schon bei leichter Belastung

NYHA IV: dauerhafte Symptome auch in Ruhe

Sport bei Herzinsuffizienz wird insbesondere für Patienten im Stadium II und III empfohlen (I sind wie gesunde zu betrachten und IV sind zunächst nicht in der Lage Sport zu treiben).

Wichtig: die Erkrankung gehört in ärztliche Behandlung. Erst wenn eine stabile Situation vorliegt und die Freigabe und Trainingsempfehlung vom behandelnden Kardiologen kommt, sollte mit dem Training begonnen werden.

Bei Herzinsuffizienz wird ein aerobes Training und ein Krafttraining empfohlen (2).

Das aerobe Training verbessert: VO2 max (maximale Sauerstoffaufnahme), Atemnot, Belastungskapazität und die linksventrikuläre Funktion des Herzens

Das Krafttraining verbessert: die linksventrikuläre Funktion des Herzens, den maximalen Lactat-Level, Muskelkraft, Muskelausdauer

Damit das Training den gewünschten Erfolg bringt, sollte man im Verlauf eine gewisse Trainingsintensität und -umfang erreichen:

Die Empfehlungen für die Trainingsintensität und den Trainingsumfang sind: Intensität bei ca. 50-70% der VO2max, entsprechend einem Puls von ca. 60-80% der maximalen Herzfrequenz (Pulsuhr empfohlen). Der Umfang sollte langsam gesteigert werden, wenn möglich auf mindestens 3-5x pro Woche 30-40min Training. (3)

Damit man sich nicht überlastet empfehlen wir eine Pulsuhr. Alternativ kann man auch nach dem Motto „Laufen ohne zu Schnaufen“ vorgehen, also die Belastung immer so, dass man ganz normal atmen kann, normal reden kann und nicht hecheln oder nach Luft schnappen muss. Auch kann man die Borg-Skala zur Einschätzung der Belastung nutzen. Hierbei sollte das subjektive Belastungsempfinden, also die gefühlte Intensität leicht bis etwas anstrengend sein.

Wichtig: Langsam steigern und nicht übernehmen. Daher sind Online-Kurse besonders empfehlenswert.

Denn wenn es zu viel wird, Erschöpfung oder Beschwerden auftreten, können sie jederzeit unterbrochen werden und man kann sich zu Hause sofort setzen und pausieren.

Häufig wird für Anfänger auch Spazierengehen empfohlen, aber was, wenn bei 10 Minuten Spazierengehen, die Erschöpfung und Beschwerden schon nach 5 Minuten auftreten? Wie kommt man dann wieder nach Hause? Auch werden Vereine und Gruppen häufig empfohlen. Grundsätzlich nicht schlecht, aber was, wenn man da nicht mehr kann? Viele Übernehmen sich dann eher, da sie sich nicht die Blöße vor der Gruppe geben wollen und nicht pausieren wollen, obwohl Beschwerden auftreten. Dann ist es eher eine Qual und auch schlecht für die Gesundheit. Und wenn es eine Qual ist, macht derjenige das bestimmt kein zweites Mal.

Daher ist es durchaus gerade für Anfänger sehr empfehlenswert, die Bewegung langsam und in den heimischen 4 Wänden zu beginnen um dann jederzeit Pausieren zu können, wenn einem danach ist.

Geeignet wären, je nach Fitnesszustand, Kurse wie

Ganzkörpermobilisation: https://pur-life.net/kurse/kurse/ganzkoerpermobilisation

Fitnessgymnastik: https://pur-life.net/kurse/kurse/fitnessgymnastik

Rückenfit: https://pur-life.net/kurse/kurse/rueckenfit

Seniorengymnastik: https://pur-life.net/kurse/kurse/seniorengymnastik (sehr leichter Einstieg)

u.a.: grundsätzlich sind alle Kurse möglich (je nach Fitnesszustand und nach persönlichen Vorlieben)

Wie oben schon beschrieben, ist ein Verlust der Muskelmasse einer der Hauptfaktoren, weshalb die Herzinsuffizienz zunehmende Beschwerden, Schwäche und Leistungsminderung verursacht. Um die Muskelmasse zu erhalten sollte also neben dem Ausdauertraining unbedingt auch ein Krafttraining erfolgen.

Und wie Sie sicher alle schon wissen, was wir immer wieder betonen, ohne ausreichend Eiweiß gibt es keinen Muskelaufbau.

Daher unbedingt auf reichlich Eiweiß (mehr unter Ernährungsratgeber: Eiweiß) bei er Ernährung achten. Nur so, kann man den schrecklichen Folgen des Muskelabbaus (=körperlicher Verfall) entgegenwirken.

Und natürlich muss man auch an die notwendigen Mikronährstoffe denken.

Zum Thema Mikronährstoffe: in Deutschland leider bisher noch viel zu unbeachtet. Verursacht bei den meisten deutschen Ärzten nur ein Schulterzucken. Ganz im Gegensatz zur internationalen Wissenschaft. Nur für interessierte, einfach mal dieses kurze Abstract (4) über Ernährung bei Herzinsuffizienz lesen. Wie selbstverständlich wird dort über die Notwendigkeit einer ausreichenden Aufnahme von Mikronährstoffen geschrieben. In internationalen Veröffentlichungen schon längst normal und ganz selbstverständlich. In der deutschen Medizin leider noch häufig unbekanntes Terrain.

Zusammenfassung:

  • Herzschwäche ist eine häufige Erkrankung welche unbedingt in ärztliche Behandlung gehört
  • Körperliches Training verbessert den Zustand und die Lebensqualität erheblich
  • Training bei Herzschwäche gehört heutzutage zu der Standardtherapie der Herzschwäche
  • Das Training sollte Ausdauer- und Krafteinheiten beinhalten
  • Der Muskelabbau ist einer der Hauptfaktoren, welcher für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes verantwortlich ist. Daher ist Muskelaufbau ein wesentliches Ziel.
  • Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle: um Muskeln aufzubauen braucht man reichlich Eiweiß und alle notwendigen Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Aminosäuren)

Einen Ratgeber zur Herzinsuffizienz kann man übrigens kostenfrei bei der Deutschen Herzstiftung e.V. erlangen: https://www.herzstiftung.de/Herzschwaeche-Therapie.html

Quellen:

  1. Herz. 2015 Apr;40(2):206-14. doi: 10.1007/s00059-015-4206-6.[Exercise training as a key component of heart failure therapy].[Article in German]Dörr M1, Halle M.
  2. J Cardiopulm Rehabil Prev. 2007 Nov-Dec;27(6):368-75. doi: 10.1097/01.HCR.0000300263.07764.4a.Evidence-based application of aerobic and resistance training in patients with congestive heart failure.Bartlo P1.
  3. J Am Coll Cardiol. 2011 Aug 2;58(6):561-9. doi: 10.1016/j.jacc.2011.04.020.The role of exercise training in heart failure. Downing J1, Balady GJ.
  4. Curr Treat Options Cardiovasc Med. 2017 Mar;19(3):19. doi: 10.1007/s11936-017-0515-9.Dietary Self-management in Heart Failure: High Tech or High Touch?Colin-Ramirez E1, Arcand J2, Ezekowitz JA3.
Über den Autor
Dr. Volker Zitzmann

6 Kommentare
  • Johanna Vogel vor 1 Jahr
    Ein sehr wichtiger und hilfreicher Beitrag. Der Hinweis darauf, dass unsere Ärzte (Kardiologen vor allem) über die Bedeutung von Mikronährstoffen, also auch Nahrungsergänzungsmitteln, für die Herzgesundheit wenig wissen (wollen), kann ich nur unterstreichen. Das gilt im Grunde für alle Aspekte einer eher sanften, alternativen Medizin. Als gäbe es zur Verbesserung der Herzgesundheit nur Chemiebomber und Operationen. Auch auf die Bedeutung von Sport, Gymnastik, Ernährung etc. für die Verbesserung der Herzgesundheit wird man als Patient in der Regel - wenn überhaupt - nur völlig unzureichend hingewiesen. Nur wäre da auch eine entsprechende ärztliche Beratung und Überwachung erforderlich, die denke ich pur life nicht ersetzen kann.
  • Sylvia vor 1 Jahr
    Manuela ich drücke Dir ganz doll die Daumen, wichtig ist vor allem, dass man sich nicht selber unter Druck setzt und die Medikamente (Biso ist mir auch bekannt, ich konnte die immerhin von 5 auf 2,5 mg reduzieren) als "Hilfe" ansieht. Ich denke, sich mit der Krankheit (oder besser dem was dem Herzen fehlt, denn das macht es uns ja durch die Krankheit deutlich) zu befassen und es kennen zu lernen, ist etwas, was da hilft. Aber wie ich sehe, Sport, Entspannung und gesunde Ernährung stehen ja schon auf dem Programm nicht vergessen, die Freude am Leben und der Spaß an den Dingen. Dir ganz viel Erfolg bei Deinem Vorhaben! Und ich bin jetzt 1 Jahr dabei und weiß, Pur-Life ist da immer ein genial Ideen- und Trittgeber. <3
  • Manuela vor 1 Jahr
    Super Beitrag. Mich hat es vor genau einem Jahr erwischt. Inzwischen trage ich seit Mitte Dezember diesen Jahres einen ICD (eingebauten Defibrillator) und darf nun langsam wieder mit Sport anfangen. Dieser Beitrag hier hat mich auch dazu bewogen mich endlich anzumelden. Was die Medikamente angeht, so nehme ich "nur" Entrestro und Bisoprolol. Mein Kardiologe meinte nur entspannt "gewöhnen Sie sich dran, die dürfen sie nun immer nehmen" . Mal schauen ob ich mit Sport, Entspannung und gesunder Ernährung ihn nicht vom Gegenteil überzeugen kann mit der Zeit.
  • Sylvia vor 1 Jahr
    Klasse Beitrag, zu einer Krankheit, die bei vielen schleichend kommt und lange auch von Ärzten nicht als solche erkannt wird. Nun ich hatte in Hasselt und Leuven schon die Besten und weiß, wie wichtig Bewegung ist. Damals im Krankenhaus eingeliefert, war meine einzige Sorge, ob ich wieder drei Stunden mit meinem Hund durch den Wald ziehen kann. Heute geht das, selbst im Mittelgebirge bergauf und bergab. Im Herzcentrum Hasselt lag aber auch der Hinweis auf Ernährung und welche Dinge man benötigt und dass man auch die Medikamente durch gezielte Ernährung und Bewegung reduzieren kann. Etwas, was mir hier in Deutschland bei vielen Ärzten nur zu einem Kopfschütteln führte. Zum Glück habe ich nach langem Suchen einen Arzt gefunden, der das genau so sieht und ich nehme deutlich weniger Medikamente, als noch vor zwei Jahren. (weniger Medikamente bedeuten für mich auch weniger Nebenwirkungen.) Und Dank Eurer Hilfe hier und den Informationen (die auch immer angepasst werden, wenn ich "mal" berechtigte Zweifel geäussert habe, kann man trotz Krankheit ein gutes und bewegliches Leben führen und die eigene Situation auch deutlich verbessern.
  • Gabriele S. vor 1 Jahr
    Danke Volker ,immer sehr gut erklärt Und einfach mega interessant!
  • Renate G. vor 1 Jahr
    Sehr interessanter Beitrag. ????☘️

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